Hörbuch: Lady Susan

Am 18. Juli ist der 200. Todestag von Jane Austen. Deshalb gibt es bereits im Vorfeld schon viele Neuauflagen der Bücher und Hörbücher der bezaubernden britischen Autorin.

Ende Juni gab es auch bei Audible ein tolles Hörbuch von Jane Austen “Lady Susan“, das fabelhaft vorgetragen wird von der bezaubernden Schauspielerin Eva Mattes. Lady Susan war Jane Austens erster Roman und man spürt, wie intensiv sie ihre Umgebung in der Regency-Zeit beobachtet und in ihren Romanen amüsant ironisch seziert hat.

Ich habe es genossen, Eva Mattes` Stimme und den herrlichen Ränkespielen der frisch verwitweten Lady Susan und ihrem Umfeld zu lauschen. Der Roman ist in Briefform und was Lady Susan da so alles kokettes, charmantes, aber auch heuchlerisches und egoistisch bitterböses von sich gibt ist einfach nur herrlich anzuhören. Man ist hin- und hergerissen zwischen Lady Susan verachten oder sie aufgrund der wohl formulierten Sätze in ihren Briefen zu lieben. Ein stetes Auf und Ab und dadurch ein sehr lebendiges Hörerlebnis der Extraklasse wie ich meine.

Die Briefe selbst sprühen geradezu vor Witz, herrlicher Ironie und fabelhaften Überraschungen, die von Eva Mattes`geschulter Stimme sehr gut dargestellt werden.

Die verwitwete Lady Susan wirbelt ihr Umfeld arg durcheinander und sie verschlechtert mit ihrer Art der subtilen Manipulation das Leben einiger Menschen und dennoch empfand ich so etwas wie Achtung vor ihr als Mensch, weil es ihr gelingt, mit ihrer schlauen Art durchaus auch für Glück einzustehen. Objekt ihrer Begierde ist der adrette Reginald DeCourcy, der jüngere Bruder ihrer Schwägerin. Sie spinnt fleißig Intrigen gesponnen, um unliebsame Konkurrentinnen aus dem Feld zu schlagen. Doch als eines Tages ihre Tochter Frederica auftaucht, geraten Lady Susans Pläne in Gefahr. Hatte sie für die Tochter doch den reichen, recht einfältigen Sir James Martin auserwählt, was ihrer Tochter allerdings überhaupt nicht passt … Herrlich und very british!

Wie Lady Susan zu ihrer Tochter Frederika steht, macht der folgende Absatz recht schön deutlich:

… aber ich konnte es nicht vor mir selbst verantworten, Frederica zu einer Ehe zu zwingen, gegen die ihr Herz sich auflehnt, und anstatt eine harte Maßnahme anzuwenden, beabsichtige ich nur, es ihrer eigenen Wahl zu überlassen, indem ich ihr das Leben so sauer wie möglich mache, bis sie ihn nimmt.

Fazit: Ein sehr überraschendes, lebendiges, scharfzüngiges, sehr unterhaltsames Hörbuch, witzig und schlau, ironisch und subtil, weise und natürlich auch intrigant. Ein Hörerlebnis der absoluten Extraklasse mit einer bezaubernden, überzeugenden und perfekten Lady-Susan-Stimme von Eva Mattes … So nah und intensiv, als wäre ich in der Geschichte involviert als stille Zuhörerin. Ein perfektes und kurzweiliges Hörerlebnis, das sehr gut unterhält!

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Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen

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Lars Simon hat mit “Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen” ein fabelhaftes und magisches Buch geschrieben. Es ist Auftakt einer Buchreihe und ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil der Geschichte.

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde gewonnen und mit anderen zusammen gelesen. Wir hatten die große Ehre, dass sich der Autor Lars Simon auch an dieser Leserunde sehr rege beteiligt hat und wir immer unser Feedback geben konnte. Dafür nochmals vielen lieben Dank, Herr Simon!

Protagonist der fantastischen Geschichte ist Lennart Malmkvists, seines Zeichens ein erfolgreicher Unternehmensberater. Er wohnt in Göteborg in einem Mietshaus mit vielen schrulligen und liebenswerten Menschen u.a. mit Maria Calvino, die ihn immer phantastisch und herrlich italienisch bekocht. Sein Privatleben ist recht strukturiert, Nähe lässt er nur ungern zu. Doch dann überschlagen sich plötzlich die Ereignisse in seinem sonst so durchgetaktetem Leben. Sein alter Nachbar Buri Bolmen (erinnert im Buch nicht nur Lennart an Albus Dumbledore) hinterlässt Lennart nicht nur seinen seltsamen Zauber- und Scherzartikelladen sondern auch seinen Mops Bölthorn.

Lennart hat so gar keine Lust diesen merkwürdigen Laden zu übernehmen oder sich um den Mops zu kümmern. Und plötzlich  verliert er selbst seinen Job und seine Kollegin Emma verschwindet. Kurz vor ihrem Verschwinden hatte sie Lennart erzählt, dass sie etwas Merkwürdiges herausgefunden hat und sie nun in Gefahr sei.

Und plötzlich spricht auch der Mops – Lennart versteht seine Welt nicht mehr! Böltholm erzählt ihm, dass es wahre Magie gibt. Und Lennart sei dazu auserwählt zaubern zu erlernen. Buri Bolmens Tod sei kein Zufall gewesen und dann schwebt auch Lennart plötzlich in allergrößter Gefahr…

Der erste Satz:

“Es regnet so heftig, dass die Tropfen lautstark gegen die Fenster prasselten.” (Seite 15)

Lars Simon hat sich eine interessante Mischung ausgedacht, sein Buch ist eine äußerst gelungene Kombination aus Thriller und Fantasy. Es gibt auch oft skurrile und humorvolle Szenen und Wendungen, mit denen ich als Leserin nicht gerechnet habe. Und auch die dunklen Mächte gibt es. Ich möchte hier nicht allzuviel verraten, aber ich kann euch nur raten, das Buch zu lesen ;-).  Folgebücher sind schon geplant, es wird also weitergehen. Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt!

Fazit: Klare Kaufempfehlung! Vor allem für jene, die Fantasy und Magie lieben ;-)!

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Das Pippilotta Projekt

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Frauen, die mutig zu sich stehen kommen weiter – doch leider unterschätzen wir Damen uns doch hier und da im Job, haben Angst vor Risiko und Misserfolgen oder einfach nur, neue Dinge anzugehen. Wer von uns wäre dann nicht gerne wie die zauberhafte, magische, mutige, stets gut gelaunte und überaus positive Pippi Langstrumpf? Dieser und weiteren Fragen gehen die beiden Autorinnen Christine Weiner und Carola Kupfer in ihrem neuen Buch “Das Pippilotta Projekt – Ich weiss, was ich will und ich werde es mir holen – Schritt für Schritt zum beruflichen Erfolg” nach.

Schon Pippi war bewusst, dass man viel Geduld und starke Nerven braucht, wenn man Erfolg haben möchte – in welchem Bereich auch immer. Die kleine Pippi wartet nicht darauf, dass andere Kinder sie fragen, ob sie mit ihnen spielen möchte – sie ergreift die Initiative und prescht nacht vor. Und die erwachsene Pippi nutzt diese Kindheitserfahrung auch in ihrem Job, denn:

„Nicht Vorgesetzte und Hierarchien bestimmen, wo es für sie langgeht und welche Bedeutung eine Aufgabe hat. Wenn jemand entscheidet, dann sie selbst.“

Pippilotta lässt sich nicht unterkriegen, sie nimmt sich, was ihr zusteht, sie ist erfolgreich. Sie gibt nicht klein bei, übernimmt keine Aufgaben, die sie nicht auch wirklich erledigen möchte, sie passt sich nicht an, um zu gefallen. Sie ist eine Siegerin, die nimmt sich, was ihr zusteht! Kurzum: Sie hat Erfolg. Und genau diese Eigenschaften brauchen erfolgreiche Frauen.

Das sehr empfehlenswerte Pippilotta-Buch ist unterhaltsam und informativ! Die starke, selbstbewusste und sehr selbstsichere Pippilotta begleitet uns durch die sehr übersichtlich gestalteten Kapitel. Sie zeigt uns, wie wir uns beruflich und auch privat positiv verändern können. Die Kapitel können brav nacheinander, aber auch wild durcheinander – je nach Gusto – gelesen werden.

Witzig fand ich die kleinen Symbole, die auf den Seiten 12-13 vorgestellt werden: So steht der Zopf beispielsweise für konkrete Tipps oder er fordert zu konkreten Handlungen oder Übungen auf. Der Strumpf steht für “kunterbunt im Business-Anzug”, dort finden sich Fakten im Berufsalltag und Umsetzungsbeispiele. Die Schatzkiste steht für kostbare “Merksätze” und zeigt, wie wir unsere eigenen Ressourcen aktivieren und verborgene Fähigkeiten freilegen können.  Die Akademiker-Kappe ist das Symbol für die Pippilotta-Akademie, wo sich Hintergrundwissen und tiefer gehende Fakten finden. Und das Bonbonglas taucht immer dann auf, wenn wir Unterstützung und neue Energie von außen brauchen.

Auch inhaltlich überzeugt der kompakte Ratgeber: Fundiertes Wissen zur persönlichen Entwicklung, Kenntnisse zu individuellen Zielplanung nach den sogenannten SMART-Kriterien (selbstbezogen, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert), intrinsische und extrinsische Motivationsauswirkungen, der Funktionsweise unseres inneren Teams, der Elevator Pitch und Selbst-PR sowie Networking. Wie der Untertitel schon ankündigt hält der superunterhaltsame und viel Freude bereitende Ratgeber zahlreiche Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die Leserinnen bereit, z B. wie man seine Seelenkommode auskippt oder Vorträge und Präsentationen über die Bühne bringt.

Am Ende des Buches finden sich „11 Pippilotta to go“-Tipps sowie ein sehr interessanter und aussagekräftiger Selbsttest „Wie viel Pippilotta sind Sie schon?“.

Fazit: Ein toller, witziger, lohnender Ratgeber mit vielen tollen Tipps unterhaltsam und kurzweilig geschrieben. Sehr empfehlenswert!

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Isabel Bogdan: Der Pfau

 

51MkDtJx5uLIsabel Bogdan hat mit ihrem Buch “Der Pfau”  einen subtil komischen, sehr elegant britischen Roman geschrieben, der mir sehr gut gefallen hat.

Auf dem schottischen Landsitz von Lord und Lady McIntosh spielt ein Pfau während eines Seminares zur Teambildung einer Gruppe von Londoner Bankern verrückt und sorgt für mächtig Ärger. Die Bankangestellten nebst Chefin bekommen davon jedoch nichts mit und fühlen sich in der schottischen Langeweile sehr unwohl, was nicht nur an der Kälte in den Räumen dort liegt sondern auch an den zu bewältigenden Teamaufgabe einer Psychologin. Sie versuchen sich so gut es geht mit allem zu arrangieren.

Der erste Satz:

“Einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch einfach nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt.”

Isabel Bogdan erzählt mit wunderbar britischem Humor, heiter und in einem zauberhaften Schreibstil über dieses Wochenende in den schottischen Highlands. Die mitwirkenden Charaktere sind allesamt liebenswert und eigentümlich und very british ;-).

Im Zentrum der komödiantisch anmutenden Geschichte steht ein Pfau, der mit seinem Ableben sehr viele kuriose Begebenheiten ins Rollen bringt. Wie er genau gestorben ist, das weiß nicht jeder der Anwesenden auf dem schottischen Landgut.  Doch die subtilen Schuldzuweisungen innerhalb der Gemeinschaft lesen sich sehr schön, auch weil sich die Teilnehmer des Seminars und auch die sonst immer Anwesenden auf dem Landsitz sehr verdächtig verstricken.

Herrlich fand ich die Gespräche der Personen aus und auch wie sie miteinander umgehen. Die Autorin braucht nicht viele Worte, um ein zauberhaftes britisches, subtiles Flair entstehen zu lassen. Und auch das überraschende Ende, herrlich ausgestattet mit einer Portion britischer Ironie und Humor ist gnadenlos gelungen.

Fazit: Ein gelungenes Debüt mit zauberhaften, unvergesslichen Charakteren und herrlichem britischen Humor, subtil, zart, feinsinnig und unglaublich unterhaltsam! Bitte unbedingt lesen!

 

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Sam Byers: Idiopathie

81zJnSQOpILSam Byers hat mit seinem Erstling “Idiopathie – Ein Roman über Liebe, Narzissmus und kranke Kühe” eine bitterböse Geschichte der postmodernen narzistischen Generation geschrieben. Zynisch, böse, scharf, grandios, fies erzählt Sam Byers mit sezierendem Humor und grandiosem psychologischen Einfühlungsvermögen die Geschichte von drei selbstbezogen, geradezu narzistischen 30-jährigen.

Die Geschichte beginnt mit Katherine und man erfährt, dass ihr bisheriges Leben nicht glücklich verlaufen ist, sie ist eine sehr sarkastische, freche und etwas vulgäre Frau. Sie war mit Daniel zusammen, vor dem sie sich vor einem Jahr getrennt hat, seither wollte sie auch keine feste Beziehung mehr eingehen. Man kann ja schließlich nur einen bewundern und lieben – sich selbst ;-). Hin und wieder schläft sie mit Kollegen und ist mehr als überfordert, als sie schwanger wird.

Ihr Ex-Freund Daniel ist gleich die nächste Beziehung eingegangen, doch seine Freundin macht ihn auch nicht glücklicher als Katherine. Stets fühlt er sich unwohl und nicht mehr er selbst. Und plötzlich taucht Nathan, ein gemeinsamer Freund,  wieder in Daniels und Katherines Leben auf. Monatelang hatte er sich nicht gemeldet, die beiden fragen sich zurecht, was er in den letzten Monaten gemacht hat und warum er sich nun so seltsam verhält. Einer der Gründe ist Nathans Mutter, die über das Leben von Nathan und seiner Familie ein Buch geschrieben hat und großen Erfolg damit hat. Man fragt sich dann nur, was es mit den kranken Kühen im Untertitel auf sich hat …

Fazit: Ich muss zugeben, das Buch ist vom Stil her mehr als eigen und man muss sich als Leser erst einmal daran gewöhnen. Es dauert, bis man in das Buch gefunden hat. Doch es lohnt sich auf alle Fälle, denn es ist mal so ganz anders, als alle Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, sehr eigenwillig und genau deshalb so charmant. Dazu kommt der herrliche, bitterböse britische Humor. Sam Byers ist es gelungen, jedem seiner Protagonisten einen eigenwilligen Charakter zu geben und alleine das macht das Buch schon lesenswert. Nur der Schluss hat mich etwas enttäuscht, weil er so abrupt und nicht zum Rest des wirklich lesenswerten und sehr reifen Erstlings von Sam Byers passt.

 

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