Wenn du diesen Brief findest …

Das sehr schlicht gestaltete Buch „Wenn du diesen Brief findest … Als ich einen Brief schrieb und tausende zurückbekam“ von Hannah Brencher ist eine Ode an das Briefeschreiben. Ich liebe es sehr, Briefe und Karten jenseits des digitalen Lifestyles zu schreiben – seit Weihnachten habe ich auch eine tolle Schreibfeder, damit ich Briefe wie Harry Potter schreiben kann. Deshalb sprang mir dieses Buchcover auch sofort ins Auge …

Schnell hatte ich mich im Buch festgelesen. Die Autorin Hannah Brencher ging nach ihrem College-Abschluss nach New York. Sie wollte Gutes tun und bewirken. Um die Unpersönlichkeit des Großstadtlebens, beginnt Hannah, Briefe an fremde Menschen zu schreiben. Sie legt ihre handgeschriebenen Briefe mit dem Vermerk „Wenn du diesen Brief findest  … dann ist er für dich“ überall an öffentlichen Plätzen aus … Und auf diesem Weg – mit der Öffnung von sich selbst fremden Menschen gegenüber, findet sie auf poetische und emotionale Weise zu sich selbst.

Der erste Satz:

„Der Tag, an dem ich nach New York zog, ist in meiner Erinnerung weitaus romantischer, als er tatsächlich war.“ (Seite 17)

Zu Beginn von Hannahs Buch ist das folgenden zu lesen:

„Wenn du diesen Brief findest … bedeutet das, dass du ein Buch von mir entdeckt hast. Ich habe dieses Buch mit viel Herzblut geschrieben. Ich habe diese Geschichte erlebt, und hatte ich die wundervolle Möglichkeit, sie aufzuschreiben und zu teilen. Ich finde, das ist mit das Beste am Leben; das wir die Möglichkeit haben, unglaubliche Geschichten zu erleben, die wir dann mit anderen Menschen teilen können.“ (Seite 9)

Ich habe selbst von Oktober 1999 bis Februar 2000  ein Praktikum in New York absolviert, damals standen die Twin Towers noch und mein Büro war in der Wall Street direkt neben der Börse. Das waren aufregende Monate und ich habe es genossen, dennoch kann einem diese Wahnsinnsstadt sehr schnell verschlingen. Deshalb kann ich Hannah Brencher sehr gut verstehen, wenn sie sich dort einsam gefühlt hat und sich in der Masse der Menschen die dort täglich in Bewegung sind und auch im Alltag, sehr verloren vorkam.

„Liebe Leser, dies ist die Geschichte einer Erzählerin, bei der ihr euch auf nichts verlassen könnt, außer auf ihr Herz. Ich möchte das ganz offen vorausschicken, bevor wir weitermachen. …. Ich bin unberechenbar. Ich bin eine Träumerin. Ich schreibe Gedichte im Kopf, während ich mit dem Einkaufswagen durch den Supermarkt irre. Und ich werde euch enttäuschen. Weil ich ein Mensch bin. Und weil Menschen so etwas tun. Öfter als uns lieb ist. Als ich klein war, habe ich mir immer Geschichten ausgedacht, und wenn ich ehrlich bin, mache ich das heute noch.“ (Seite 11)

Fazit: Ein Buch, das viele gute Geschichten erzählt und in dem man gut versinken kann. Nur die vielen religiösen Aspekte waren etwas nervig und auch zum Ende hin hat das Buch leider etwas an Schwung verloren … Leider driftet die Autorin dann auch zu sehr in ihr persönliches Leben und Empfinden ab und die tolle Aktion mit den Briefen rückt immer mehr in den Hintergrund. Am Ende hätte es dem Buch sehr gut getan, etwas gekürzt zu werden. Dennoch zu 80 Prozent lese- und empfehlenswert.

 

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