Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich

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Es klingelt an der Tür unseres namenlosen Protagonisten und der Tod steht vor der Tür. In “Sophia, der Tod und ich” schickt uns Thees Uhlmann (Sänger und Frontmann der Hamburger Band “Tomte”) auf eine irrsinnige, makabre und superwitzige Reise mit dem Tod. Der Tod sagt, er habe nur noch drei Minuten zu leben. Unser Held, ein grübelnder, nachdenklicher, fußballliebender Altenpfleger weiß nun nicht, was er sich für seine letzten drei Minuten, die ihm der äußerst höfliche Herr Tod noch gewährt, wünschen soll. Seine Beziehung mit Sophia ist vorbei, sein Job ist nun ja und er selber weiß nicht, ob sein unehelicher, achtjähriger Sohn die Postkarten, die er ihm täglich schreibt, überhaupt bekommt und liest.

Mitten in seinen “letzten” Gedanken klingelt es erneut an der Tür … seine Ex Sophia erscheint und erinnert ihn, dass sie gemeinsam seine Mutter besuchen wollten. Der Tod ist völlig perplex, ist er es doch gar nicht gewöhnt, bei seiner Arbeit gestört zu werden – bzw. ist dies nicht vorgesehen. Und so nimmt die superwitzige und toll geschriebene morbide Geschichte ihren Lauf …

Erster Satz:

“Es klingelt an der Tür und im Treppenhaus riecht es nach frisch gebrühtem Kaffee.”

Fazit: Ein sehr witziges, dialogreiches und fantastisches Lese-Abenteuer mit viel schwarzem Humor und einem äußerst höflichen und sympathischen Herrn Tod. Unmöglich, dieses Buch nicht in einem Rutsch zu lesen.

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Carina Herrmann: Meerblick statt Frühschicht

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Was für ein spannendes Buch hat Carina Herrmann mit “Meerblick statt Frühschicht – Warum ich losreisen musste, um bei mir selbst anzukommen” da geschrieben.

Innerhalb eines Tages habe ich es regelrecht verschlungen, so lebendig schreibt die Autorin. Ich war richtig traurig, als ich es zu Ende gelesen habe und fragte mich, ob es wohl noch weitergeht?

Die erfolgreiche Reisebloggerin und Online-Unternehmerin schreibt über ihre Anfänge unterwegs in der großen weiten Welt. Atemlos las ich ihre spannende Geschichte, wie Carina ihren Job als Kinderkrankenschwester hinwarf, um für einige Monate in Australien zu arbeiten. Auch ihre Schilderungen von der Kinderkrebsstation, die sie rückblickend nochmals durchlebt, nachdem sie so langsam bei sich angekommen ist, waren sehr traurig zu lesen. Kein einfacher Job für eine junge Frau! Respekt!

Mutig zieht Carina Herrman also los, nachdem sie ihren Job gekündigt hat, ihren Besitz verkauft hat, einige Kisten mit Sachen, von denen sie sich (noch) nicht trennen kann, Australien zu entdecken. Im Flugzeug sitzend, freut sie sich wie ein kleines Kind, dass sie eine Sitzreihe für sich hat und kommt so locker und fröhlich auf dem fünften Kontinent an. So langsam realisiert sie, dass sie in Sydney angekommen ist … Sie lernt viele Menschen kennen, bereist Australien, trifft eine Freundin fürs Leben, arbeitet als Promoterin und in der Altenpflege. Lernt die kulturellen Unterschiede kennen, feiert ihren Geburtstag auf Bali und fliegt nach einem Jahr und voller Eindrücke zurück nach Deutschland. Als völlig neue Person. Mehr möchte ich nicht verraten, nur so viel: LEST DIESES BUCH! Es ist fabelhaft geschrieben und ich wünsche, dass viele Menschen es lesen werden!

Fazit: Eine sehr persönliche Schilderung, von einer, die auszog, die Welt und sich selbst zu entdecken! Absolute Lese-Empfehlung, sehr lebendig und spannend geschrieben mit 15 tollen Farbfotos! Das Buch strömt einen unablässigen Sog nach Freiheit und Veränderung aus, schürt die Sehnsucht nach fernen Welten und regt zum Nachdenken über sich selbst an! Vielen lieben Dank, liebe Carina für dieses wundervolle Buch – ich hoffe, du schreibst weiter ;-)!

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Euphoria

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Lilly King hat mit ihrem Roman “Euphoria” eine fiktive Dreiecksgeschichte rund um das Thema Ethnologie, fremde Länder und Kulturen und Liebe geschrieben. Dabei hat sie sich von Margaret Mead inspirieren lassen, die die Tropen – speziell die Salomonen und Papua Neuguinea – bereiste.

Nell Stone erforscht 1933  mit ihrem Gatten Schyler Fenwick, genannt Fen, Papua Neuguinea. Dort treffen die beiden auf Nells Kollegen Andrew Bankson, der das Volk der Kiona am Sepik erforscht. Nell und ihr Mann entscheiden sich schließlich wieder abzureisen, da sie nichts Nennenswertes an Forschungsmaterial finden können … Doch Andrew Bankson lockt sie mit einem tollen Angebot …

Tatsächlich trafen sich 1931 am Sepik drei Forscher und verbrachten fünf Monate dort gemeinsam bei der Erforschung der Eingeborenen: Margaret Mead, ihr zweiter Ehemann Reo Fortune und Gregory Bateson, der später Mr. Mead 3 werden sollte. Drei junge Menschen im geheimnisvollen Dschungel … Es knistert förmlich beim Lesen. Lilly King hat diese Begebenheit vor Jahren in der Biographie von Margaret Mead gelesen und fand die Idee bemerkenswert genug, um eine fiktive Geschichte über die Dreeicks-Liebesgeschichte der Forscherin zu schreiben.

Zur Info am Rande: Der Titel “Euphoria” bezieht sich auf den kurzen Moment, an dem man glaubt, alles verstanden zu haben.

Fazit: Eine sehr interessante, tragische und alle Mal lesenswerte Geschichte. Margaret Mead war sicher mutiger als die leicht ängstliche Protagonistin Nell Stone, auch diese Biographie werde ich einmal lesen. Das Buch ist fesselnd geschrieben und vor dem tropischen Hintergrund auch atmospärisch sehr geheimnisvoll. Tolles Buch!

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Das Kind in dir muss Heimat finden

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Stefanie Stahl ist mir ihrem Buch “Das Kind in dir muss Heimat finden – Der Schlüssel zur Lösung (fast) aller Probleme” der große Wurf gelungen. Für mich ist dies das beste Buch zum Thema Selbstwertproblematik, da es mit den Übungen auch sehr in die Tiefe geht …

Das Buch ist wundervoll aufgemacht, vom stimmigen, einfachen, jedoch sehr aussagekräftigen Cover bis hin zu den Innenseiten der Einbände mit den Zeichnungen des Schatten- und Sonnenkindes. Empathisch zeigt Stefanie Stahl auf, wie Kindheitsprägungen uns auch in der Gegenwart noch ausbremsen, unser Leben wahrlich zu leben.

Jeder von uns möchte angenommen und geliebt werden – als Kind umso mehr. Und nicht jeder durfte als Kind vollkommene und bedingungslose Liebe erfahren dürfen. Doch es ist nie zu spät eine glückliche Kindheit zu haben ;-)! Stefanie Stahl konnte schon so vielen Menschen – so vielen erwachsenen inneren Kindern – helfen, ihren Lebensweg glücklich und mit sich in Harmonie fortzusetzen und das gefällt mir an diesem Buch so gut. Jeder kann ein glückliches Leben führen, jeder darf seinen eigenen Wert fernab jeglicher Glaubenssätze oder Erlebnisse aus der Kindheit leben … Jeder hat innere Kraftquellen, die das Sonnenkind in uns stärken … Denn Licht ist stärker als Schatten … Übernehmen wir endlich wieder das Ruder auf dem Schiff des Lebens! Ahoi! Die zahlreichen Übungen und auch die kostenlos herunterladbare Meditation unterstützen Änderungswillige dabei, wieder ordentlich Fahrt aufzunehmen und die Beziehungen zu ihren Mitmenschen und Partnern, der Familie, ja sogar den Eltern wieder in Harmonie zu bringen … ! Was für ein Hammerbuch!

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch für Laien und auch psychologisch Interessierte. Grundlagenwerk für jeden Therapeuten und Coach. Das beste Buch zum Thema Selbstwertproblematik, tiefgehend, informativ und supergut geschrieben mit vielen Beispielen! Absolute und uneingeschränkte Kaufempfehlung!

 

 

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Wieder so ein Must-have aus dem Junfermann-Verlag: Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator

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Gefühle sind wertvoll, denn sie weisen auf Bedürfnisse der Seele und des Körpers hin. Nur allzu gerne ignorieren wir diese und wir geraten aus dem Gleichgewicht. Genau hier setzt das wunderbare und äußerst empfehlenswerte Buch “Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator” von Gerlinde Ruth Fritsch an, das im wundervollen Junfermann Verlag erschienen ist.

Das schmale, nur 96 Seiten umfassende Büchlein hat es in sich: So zeigt es uns, wie wir unsere Gefühle und Bedürfnisse deutlicher wahrnehmen können und besser auch uns achtgeben, achtsamer mit uns sein können. Das Buch entstand aus einem Vortrag in einer Burnout-Selbsthilfegruppe anlässlich des ersten Buches “Praktische Selbstempathie” (das ich hier auch noch besprechen möchte).

Das schreibt die Gerlinde Ruth Fritsch dazu im Vorwort:

“Der Raum war gefüllt mit Menschen, die krankgeschrieben oder als berufsunfähig eingestuft worden waren. Einst hatten sie tatkräftig und erfolgreich in ihrem Arbeitsleben gestanden. Nun erlebte ich Menschen, die mit ihrem Alltagsleben und mit Ämtern kämpften. Manche hatten sich innerlich von der Hoffnung verabschiedet, jemals wieder in Lohn und Brot zu kommen. Alle gemein war, dass sie nicht so genau wussten, was ihnen mit ihrer Krankheit widerfahren war und wie sie hätte verhindert werden können. Ich spürte die Not der Leute, und statt aus meinem Buch vorzulesen, begann ich, meinem Publikum das Gehirn zu erklären und wozu es überhaupt Gefühle und Bedürfnisse gibt und warum wir seelisch erkranken.”

“Der Gefühls- und Bedürnisnavigator” richtet sich an Menschen, die seelisch oder psychosomatisch erkrankt sind. Es ist eine Orientierungshilfe für Patienten, Angehörige, aber auch Menschen, die viel mit Menschen zu tun haben wie beispielsweise Therapeuten, Coaches etc.

Frau Fritsch erklärt in ihrem Buch zunächst das menschliche Gehirn und die Bedeutung von Gefühlen. Danach geht es sogleich in die Ursachenforschung, welche Gefühle dem Problem, dass einen augenblicklich beschäftigt, zugrunde liegen könnte – hierfür hat die Autorin einen Kursplan erstellt.

Im Folgenden beschreibt eine Darstellung wie Gedanken Gefühle beeinflussen und welche Rolle der Körper für Gefühle spielt. Eine Verstehenshilfe – das sogenannte Wertequadrat – wird vorgestellt, das zeigt, wie ein ausbalanciertes Leben aussehen kann.

Einzelne Krankheitsbilder werden vorgestellt und welche Bedürfnisse wichtig für die Heilung sind. Daran schließt sich ein Kapitel über die Herausfoderung des sich änderns an. Im nächsten Teil des Buches wird dem geneigten Leser gezeigt, was er konkret für seine Bedürfnisse tun kann, hier werden auch Strategien vorgestellt. Eine tolle Literaturliste sowie eine umfangreiche Wörterliste mit umgangssprachlichen Übersetzungen für Bedürfnisse z. B. Wahrgenommen werden – gesehen werden, gehört werden, beachtet werden – runden das kleine schmale Powerpaket ab!

Fazit: Ein absolutes Must-have für alle, die mit Menschen arbeiten. Ein tolles Buch für Betroffene und ihre Angehörige. Viele inspierende Fragen und Powersätze auf nur 96 Seiten! Für mich eines der besten Bücher zum Thema Gefühle und Bedürfnisse, schmal, kompakt und dennoch sehr umfangreich! Umfangstechnisch auch für Wenigleser motivierend ;-)! Klare Kaufempfehlung für alle, die Menschen wertschätzen! Auch zur Selbsterkundung sehr spannend!

 

 

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Der Stift und das Papier

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Hanns-Josef Ortheil hat mit seinem Buch “Der Stift und das Papier” eine bewegende Reise in seine Kindheit unternommen.

Er bekam seit seinem achten Lebensjahr Schreib- und Sprachunterricht von seinen Eltern, da er – wie seine Mutter nach dem Krieg auch – nicht gesprochen hat.

Beide hatten Angst, dass er nach all den Jahren des Stummseins das Sprechen nicht mehr lernen würde. Dabei folgten sie in ihrem Unterricht keinen Vorlagen oder Lehrbüchern, sondern ließen sich spontan inspirieren von allem, was es in ihrer Umgebung gab wie z. B. Buchlektüren oder Straßen und Plätze. Der junge Hanns-Josef machte – je älter er wurde – immer begeisternder seinen Schreib- und Sprachübungen. Wen wundert es da noch, dass er mit seinem Freilernen (ein Konzept, dass auch heute in Deutschland auch wieder langsam Schule macht) heute ein begnadeter Schriftsteller und Wortjongleur ist. So verwunderte es die Eltern sicher nicht, dass er nach einer Weile selbst kleine Erzählungen erfand, Gedichte schrieb und begann an einem Roman zu arbeiten. Seine ersten Kindertexte erschienen dann auch bald in Zeitungen und Zeitschriften. Hanns-Josef Ortheil blickt teils wehmütig auf seine herrlichen Kindheitserinnerungen in der Jagdhütte seines Vaters im Westerwald zurück. Er taucht in die Textarchive seiner Kindheit ein, die sein Vater wohlweislich aufgehoben hat. Zum Glück!

Fazit: Ein wundervolles Buch eines wundervollen Autors, der spät sprechen und schreiben gelernt, dafür aber umso intensiver! Es kann auch für angehende Autoren ein intensiver Kurs im kreativen Schreiben sein! Hanns-Josef Ortheil fasziniert sich mich mit seinem Schreibstil seit Jahren – wie gerne schwelge ich noch heute in seinen Büchern “Die Moselreise” und “Die Berlinreise” … Ein Meister und Zauberer der lebendigen Sätze – absolut empfehlenswert!  Ein Buch das inspiriert und einlädt, sich seinen eigenen Erinnerungen zu stellen und diese zu notieren!

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Ursula Nuber: Eigensinn

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Ursula Nuber, Chefredakteurin der Zeitschrift “Psychologie heute” und selbst Psychologin hat ein neues Buch mit dem Titel “Eigensinn – Die starke Strategie gegen Burn-out und Depression – für ein selbstbestimmtes Leben” geschrieben.

Eigensinnige Menschen haben nicht gerade ein berauschendes Image, sie kommen in der Regel nicht gut bei ihren Mitmenschen an, weil sie als schwierig, stur, dickköpfig, uneinsichtig und egoistisch gelten – als anstrengender Zeitgenosse angesehen werden.

So schreibt Frau Nuber selbst im Vorwort ihres Buches:

“Mit Eigensinnigen ist nicht gut Kirschen essen. Sie stören die Harmonie, weichen von der Norm ab und können ganz schön nerven.”

Ich hingegen fühlte mich von dem Wort “Eigensinn” sofort magisch angezogen, denn was ist so falsch daran, sich einen “eigenen Sinn” sozusagen einen Weg durchs Leben zu bahnen ohne Vergleich, ohne Wettbewerb oder dergleichen?

Eigensinn ist nicht mit Egoismus gleichzusetzen oder gar zu verwechseln. Dem ist aber nicht so: Egoistische Menschen – also selbstsüchtige Menschen – leben nach dem Motto “Ich setze meine Interessen durch, die anderen interessieren mich nicht”. Eigensinnige Menschen hingegen setzen sich für ihre Rechte und Interessen ein, ohne die Rechte anderer oder die Gefühle anderer zu verletzen, frei nach dem Motto: “Ich habe Bedürfnisse und Wünsche, so wie andere auch. Ich habe Rechte und andere haben auch Rechte.”

Ich sehe es wie die Autorin auf Seite 11:

“Ohne Übertreibung kann man sagen: Eigensinn ist eine Grundvoraussetzung, um in der heutigen Zeit mit ihren vielfältigen Herausforderungen stabil und gesund zu bleiben.”

Eigensinn ist ein Charakterzug, meint Ursula Nuber. Er kann uns wie oben bereits erwähnt eine wertvolle Unterstützung, Psychologen würden es Ressource nenne, sein, damit wir die verschiedenen Situationen und Herausforderungen des Alltags besser stemmen können. Ein gesundes Maß an Eigensinn ist also durchaus unserer seelischen und körperlichen Gesundheit förderlich. Und so zeigen wir auch unsere ureigene Individualität, unserer Unvergleichlichkeit, indem wir nicht länger tun, was andere bereits tun oder von uns erwarten, dass wir es so tun. Und so können wir anderen Menschen Grenzen aufzeigen und Widerstand leisten.

Fazit: Ursula Nuber hat ein sehr eigensinniges Buch geschrieben, das mir sehr gut gefallen hat. Eine wertvolle Fundgrube hervorragender Fakten und Gründe, um eigensinniger zu sein – ein Hommage an den Eigensinn mit all seinen Facetten und Möglichkeiten. Seid eigensinnig, leistet Widerstand ;-)! Ein sehr empfehlenswertes, sehr schön lesbares Buch mit Tiefgang!

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Juli Zeh: Unterleuten

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Juli Zeh hat mit ihrem neuen Buch “Unterleuten” ein grandioses Stück Gesellschaftsgeschichte der Gegenwart geschrieben.

Unterleuten ist ein kleines Dorf in Brandenburg, nur knapp eine Stunde von Berlin entfernt. Dort können Städter die Ruhe und die Natur genießen. Und genau das tut Prof. Dr. Gerhard Fließ, der seiner Unilaufbahn den Rücken kehrt, um in der Vogelschutzwarte dort zu arbeiten, um die vom Aussterben bedrohten Kampfläufer (die auch auf dem Cover abgebildet sind) zu schützen. Mit dabei sind seine Frau Jule und das Baby. Auch lesen wir von Linda und ihrem Freund Frederik, die gemeinsam Pferde züchten möchten. Also fünf (mit Baby ;-)) zugezogene Städter in der tiefsten Provinz. Wie immer tragen diese natürlich ihre weltmännisch und großstädtisches Gehabe zur Schau, was den Unterleutern erst einmal nicht gefällt. Herrlich idyllisch ;-).

Auf einer Bürgerversammlung wird bekannt, dass eine Investmentfirma am Ort und drumherum Windkraftanlagen bauen wollen. Unklar ist, auf wessen Grundbesitz das ganze stattfinden soll. Nun ist es vorbei mit der Idylle im 250-Seelen-Dorf Unterleuten. Die Bewohner rüsten sich zum Kampf und so kommen längst vergangene und verdrängte Emotionen, Streitigkeiten, alte Verletzungen etc. hervor … Auch die zugezogenen Städter verstricken sich immer mehr in ein intrigantes Spiel, um das Bauprojekt für sich zu nutzen … Das scheint das Ende der Dorfgemeinschaft in Unterleuten …

Ich mag die Schreibe von Juli Zeh sehr gerne, habe alle ihre Bücher gelesen und auch mit “Unterleuten” ist ihr grandiose Literatur gelungen. Klar schreibt sie über eine Dorfgemeinschaft, eine Gesellschaft, die aus Gewinnern und Verlieren, Alten und Jungen, Ost- und Westdeutschen, Städtern und Ländlern … Sie zeigt, was Gier mit den Menschen macht und Gründe, warum ein Mensch seine selbstgesteckten moralischen Grenzen überschreitet.

Fazit: Ein bilanzziehender Gesellschaftsroman, der brandaktuell ist. Formvollendet geschrieben, kein Satz ist zuviel oder zu lang, perfekt seziert sie unsere Gesellschaft mit all ihren unterschiedlichen und gegensätzlichen Facetten. Ein großer Roman über die Schwächen der Menschen – unter Leuten eben ;-)! Absolut und uneingeschränkt lesenswert!

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Die Birken wissen´s noch

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Der norwegische Schriftsteller Lars Mytting hat mit “Die Birken wissen’s noch” eine äußerst dramatische und rührende Geschichte über die beliebten Themen Familie, Liebe, Trauer und Verlust geschrieben. Anfänglich liest sich das Buch etwas schleppend, aber es lohnt sich dran zu bleiben. Manchmal liest sich die Geschichte auch ebenso karg wie die Gegend, in der sie sich abspielt.

Darum geht es: Edvard wächst in einem kleinen norwegischen Dorf bei seinen Großeltern Sverre und Alma auf einem Bauernhof auf. An seine Eltern kann er sich nur spärlich erinnern und niemand will ihm erzählen, warum diese unter offensichtlich mysteriösen Umständen bei einem Unfall gestorben sind. Dann stirbt sein Großvater Sverre und Edvard bekommt vom Dorfpfarrer einige Briefe und auch Hinweise über seine Eltern. Schließlich macht er sich auf, die Geheimnisse um sein Dasein zu lüften. Dabei entdeckt er einiges …

Lars Mytting ist es gelungen, einen Krimi, einen historischen Roman, eine Familien- und eine Liebesgeschichte in einem Roman zu einer fesselnden Geschichte zu verknüpfen, die man nicht aus der Hand legen kann, bis das Buch ausgelesen ist. Die Naturbeschreibungen sind wahrhaftig schön, dass ich diese immer mehrmals gelesen habe. Man merkt dem Autor an, dass er die Natur liebt und sich viel draußen aufhält, was in Norwegen auch spektakulär ist!

Es war sehr spannend für mich, Edvard bei der Spurensuche zu begleiten – es war, als wäre ich dabei und würde ihm über die Schulter schauen – so einen Sog hat die Geschichte! Und das ist eine Kunst, so zu schreiben, dass man als Leser das Gefühl hat, Teil der Geschichte zu sein und immer dabei zu sein!

Fazit: Ein interessanter, fesselnder Roman über einen Mann, auf der Suche nach seinem Ursprung – absolut fabelhaft, spannend und überzeugend erzählt! Nach “Der Mann und das Holz” ein weiterer Bestseller aus der Feder des von mir sehr geschätzten norwegischen Schriftstellers Lars Mytting. Ich möchte euch das Buch sehr ans Herz legen. Absolute Lese-Empfehlung!

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Mirriam Prieß: Resilienz – Das Geheimnis innerer Stärke

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Dr. Mirriam Prieß plädiert in ihrem neuen sehr praxisnahen Buch “Resilienz – Das Geheimnis innerer Stärke” dafür, Beziehung als Grundlage des Lebens anzusehen. Frei nach dem Motto: “Ohne Dialog, kein Leben!”

Der Ratgeber hilft, zu unserer Substanz zu gelangen, dabei werden keine neuen Verhaltensweisen vermittelt, sondern eine neue Haltung, die uns “durch das Leben trägt und mit der wir selbst dem stärksten Sturm standhalten können”.

Dr. Prieß weiter:

“Psychische Widerstandsfähigkeit entsteht nicht durch Abwehr. Im Gegenteil. Wer im Widerstand ist, verliert sukzessive an Kraft. Erst wenn wir erkennen, dass die eigentliche Kraft in uns selbst und in der Fähigkeit der Begegnung liegt – im richtigen Aufnehmen und wieder Abgeben -, werden wir aufhören uns zu erschöpfen und zu unserer wahren Stärke finden.”

Das Buch ist in 4 Kapitel eingeteilt: Der Dialog, Das Elternhaus, Was hindert uns daran, resilient zu werden?, Wege in die Resilienz. Darüber hinaus enthält es einen 12-Punkte-Selbsttest “Wie resilient bin ich?”

Sehr gut gefallen haben mir die diversen grauen Kästchen im Text, die das geschriebene nochmals in aller Kürze knackig formuliert wiedergaben.

Exemplarisch folgt hier der Inhalt eines der grauen Kästchen:

 

“Resilient zu bleiben oder zu werden heißt, dialogfähig zu bleiben oder zu werden. Dialogfähigkeit ist die Grundlage für die Aufrechterhaltung Ihrer psychischen Widerstandsfähigkeit.”

Auch die Kästchen zur Selbstreflexion fand ich sehr spannend und anregend. Alles in allem ein kurzweiliges und doch sehr tief gehendes, aber sich sehr wohlig für mich anfühlendes Lesevergnügen auf nur knapp 185 Seiten.

Fazit: Es wurde schon viele Bücher über Resilienz geschrieben, doch gefällt mir dieses am besten – für mich ist es das beste Buch zum Thema Widerstandskraft! Es ist leicht verständlich und sehr anregend geschrieben. Es lädt zur Selbstreflexion ein und zeigt sehr gut auf, warum es resiliente und weniger resiliente Menschen gibt. Somit stärkt es auch die Wahrnehmung und das Gespür für andere Menschen. Es schadet nie, anderen wertschätzend und verstehend zu begegnen! Herzlichen Dank liebe Frau Dr. Prieß für dieses Buch!

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