Wie eine höchst ungehörige Dame ihren Weg zu mir fand
Manchmal erinnern wir uns noch nach vielen Jahren an Menschen, die uns irgendwann einmal begegnet sind und von denen wir damals kaum ahnten, welchen Einfluss sie auf unser späteres Leben haben würden. Nicht unbedingt, weil sie etwas Außergewöhnliches getan oder uns einen besonders klugen Rat gegeben hätten, sondern weil sie im richtigen Augenblick eine kleine Geste der Freundlichkeit zeigten, die uns bis heute begleitet.
In meiner Kindheit kannte ich eine ehemalige Bibliothekarin, die mir immer wieder Bücher schenkte, die einst ihren eigenen Kindern gehört hatten. Ich weiß nicht, ob sie sich damals Gedanken darüber machte, welche Freude sie mir damit bereitete. Vermutlich wollte sie einfach nur, dass die Bücher in gute Hände kamen. Für mich jedenfalls waren diese Geschenke etwas Wunderbares, und ich bin überzeugt, dass sie einen nicht unerheblichen Anteil daran hatte, wie sehr ich das Lesen lieben lernte.
