Techniken der Psychotherapie

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Die Psychotherapie hat sich in den letzten Jahren sehr fortentwickelt, hin zu einer zunehmend methodenübergreifenden Perspektive. So können Therapeuten heute auf eine Vielzahl an Techniken zurückgreifen und diese in ihre eigene Therapiestrategie integrieren – je nach Störungsbild, Problemstellung, Persönlichkeit des Klienten/Patienten und seinen psychosozialen Rahmenbedingungen. In ihrem sehr empfehlenswerten Fachbuch „Techniken der Psychotherapie“ haben die erfahrenen Fachärzte Bettina Wilms, Michael Broda und Wolfgang Senf viele Therapietechniken systematisch zusammengetragen und werden von ihnen und Experten auf den jeweiligen Gebieten detailliert vorgestellt.

Dabei sind die Techniken kapitelweise aufgeteilt in ressourcenorientierte Therapietechniken wie beispielsweise die Vermittlung der Selbstsicherheit, Stressbewältigungstraining, Stärkung des Selbstwerts, Vermittlung von Achtsamkeit, Stärkung der Genussfähigkeit, Fantasiereisen, Rollenspiele, lösungsorientierten Techniken, Genogrammarbeit, Stabilisierungstechniken und die Arbeit mit Glaubenssätzen.

Danach folgen die problemorientierten Therapietechniken wie Problemlösungstechniken, Verhaltensanalyse, Techniken des zirkulären Fragens, Symptomverschreibung, Traumdeutung, sokratische Gesprächsführung, kognitive Umstrukturierung sowie Psychoedukation.

In den darauf folgenden emotionsorientierten Therapietechniken werden z. B. die dialektisch-behaviorale Therapie, Systemaufstellungen, Expositionstraining sowie EMDR vorgestellt. Im nächsten Kapitel geht es dann um spezielle Therapietechniken wie Arbeit mit Familien und größeren Systemen, Sexualtherapie, Entspannungstechniken und vieles mehr. Im letzten Kapitel werden die Rahmenbedingungen wie z. B. praktische Hinweise für den psychotherapeutischen Alltag, Anträge, Begutachtung etc. vorgestellt.

Die jeweiligen Kapitel enden mit umfangreichen Literaturtipps und sind sehr anschaulich und übersichtlich mit vielen Tabellen, Merkekästchen und Fallbeispielen praxisnah vorgestellt und für jedermann verständlich geschrieben.

Fazit: DAS Fachbuch für erfahrene Therapeuten, aber auch für Studierende, angehende Heilpraktiker für Psychotherapie, sonstige in Beratung und Therapie tätigen Personen aber auch für Angehörige und Patienten ein wertvolles Nachschlagewerk – sehr detailliert, verständlich und strukturiert aufgebaut und geschrieben. Herausragend!

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Wieder so ein Must-have aus dem Junfermann-Verlag: Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator

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Gefühle sind wertvoll, denn sie weisen auf Bedürfnisse der Seele und des Körpers hin. Nur allzu gerne ignorieren wir diese und wir geraten aus dem Gleichgewicht. Genau hier setzt das wunderbare und äußerst empfehlenswerte Buch „Der Gefühls- und Bedürfnisnavigator“ von Gerlinde Ruth Fritsch an, das im wundervollen Junfermann Verlag erschienen ist.

Das schmale, nur 96 Seiten umfassende Büchlein hat es in sich: So zeigt es uns, wie wir unsere Gefühle und Bedürfnisse deutlicher wahrnehmen können und besser auch uns achtgeben, achtsamer mit uns sein können. Das Buch entstand aus einem Vortrag in einer Burnout-Selbsthilfegruppe anlässlich des ersten Buches „Praktische Selbstempathie“ (das ich hier auch noch besprechen möchte).

Das schreibt die Gerlinde Ruth Fritsch dazu im Vorwort:

„Der Raum war gefüllt mit Menschen, die krankgeschrieben oder als berufsunfähig eingestuft worden waren. Einst hatten sie tatkräftig und erfolgreich in ihrem Arbeitsleben gestanden. Nun erlebte ich Menschen, die mit ihrem Alltagsleben und mit Ämtern kämpften. Manche hatten sich innerlich von der Hoffnung verabschiedet, jemals wieder in Lohn und Brot zu kommen. Alle gemein war, dass sie nicht so genau wussten, was ihnen mit ihrer Krankheit widerfahren war und wie sie hätte verhindert werden können. Ich spürte die Not der Leute, und statt aus meinem Buch vorzulesen, begann ich, meinem Publikum das Gehirn zu erklären und wozu es überhaupt Gefühle und Bedürfnisse gibt und warum wir seelisch erkranken.“

„Der Gefühls- und Bedürnisnavigator“ richtet sich an Menschen, die seelisch oder psychosomatisch erkrankt sind. Es ist eine Orientierungshilfe für Patienten, Angehörige, aber auch Menschen, die viel mit Menschen zu tun haben wie beispielsweise Therapeuten, Coaches etc.

Frau Fritsch erklärt in ihrem Buch zunächst das menschliche Gehirn und die Bedeutung von Gefühlen. Danach geht es sogleich in die Ursachenforschung, welche Gefühle dem Problem, dass einen augenblicklich beschäftigt, zugrunde liegen könnte – hierfür hat die Autorin einen Kursplan erstellt.

Im Folgenden beschreibt eine Darstellung wie Gedanken Gefühle beeinflussen und welche Rolle der Körper für Gefühle spielt. Eine Verstehenshilfe – das sogenannte Wertequadrat – wird vorgestellt, das zeigt, wie ein ausbalanciertes Leben aussehen kann.

Einzelne Krankheitsbilder werden vorgestellt und welche Bedürfnisse wichtig für die Heilung sind. Daran schließt sich ein Kapitel über die Herausfoderung des sich änderns an. Im nächsten Teil des Buches wird dem geneigten Leser gezeigt, was er konkret für seine Bedürfnisse tun kann, hier werden auch Strategien vorgestellt. Eine tolle Literaturliste sowie eine umfangreiche Wörterliste mit umgangssprachlichen Übersetzungen für Bedürfnisse z. B. Wahrgenommen werden – gesehen werden, gehört werden, beachtet werden – runden das kleine schmale Powerpaket ab!

Fazit: Ein absolutes Must-have für alle, die mit Menschen arbeiten. Ein tolles Buch für Betroffene und ihre Angehörige. Viele inspierende Fragen und Powersätze auf nur 96 Seiten! Für mich eines der besten Bücher zum Thema Gefühle und Bedürfnisse, schmal, kompakt und dennoch sehr umfangreich! Umfangstechnisch auch für Wenigleser motivierend ;-)! Klare Kaufempfehlung für alle, die Menschen wertschätzen! Auch zur Selbsterkundung sehr spannend!

 

 

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Tölle/Windgassen: Psychiatrie

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Der Klassiker unter den psychiatrischen Lehrbüchern ist der Tölle – Psychiatrie, der bereits in der 17. Auflage erscheint, möchte ich heute vorstellen. Tölle/Windgassen und andere haben auf 434 Seiten sehr vielen fundierten Informationen und Fallbeispiele, die das theoretisch Gelesene praxisnah erläutern und aufzeigen.  Das Lehrbuch ist übersichtlich und klar strukturiert aufgebaut, so dass man einen guten Einblick in die Themen der Psychiatrie bekommen kann.

Das Buch vermittelt ein grundlegendes Verständnis der Psychiatrie, weitab vom bloßen Auswendiglernen bestimmter Krankheitssymptome. Ich sehe es als ergänzendes Lehrbuch an, in dem hier und da immer wieder gerne blättert!

Fazit: Ein gutes Fachbuch, jedoch an einigen Stellen etwas oberflächlich, dann und wann hätte dem Buch etwas mehr Tiefe gut getan (dafür sind die Literaturangaben sehr umfangreich ;-)) … Dennoch: Für mich mit eines der besten Lehrbücher im Bereich der Psychotherapie!

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