Die Leseliebe verändert sich – und die neue Ausgabe wird ritterlich

Als ich im Juli 2018 die erste Leseliebe veröffentlicht habe, war das Ganze eigentlich noch ein recht überschaubares Projekt. Viermal im Jahr sollte ein kleines Magazin erscheinen, rund um Bücher, Verlage und Geschichten, kostenlos als PDF zum Herunterladen. Seitdem ist einiges passiert. Die Themen sind größer geworden, die Hefte umfangreicher und aus dem ursprünglichen Literaturmagazin ist längst etwas Eigenes entstanden. Inzwischen führen mich die einzelnen Ausgaben nicht mehr ausschließlich in die Welt der Bücher, sondern auch in Literaturgeschichte, Kunst, Kultur, vergangene Zeiten und zu all den Dingen, bei denen ich beim Recherchieren irgendwann selbst hängenbleibe und denke: Darüber möchte ich mehr wissen.

Und meistens werden aus den ursprünglich geplanten paar Seiten dann wieder ein paar mehr. Bei der neuen Ausgabe ist das besonders gründlich passiert. 😉 Aber was soll ich sagen, ich liebe dieses Thema einfach …

Ritter, Sagen und ziemlich viele Seiten

Die nächste Leseliebe führt in die Welt der Ritter und Sagen – und sie ist mit inzwischen 80 Seiten eine der umfangreichsten Ausgaben überhaupt geworden.

Dabei wollte ich kein Heft machen, in dem sich nur Ritterrüstungen, Burgen und Schlachten aneinanderreihen. Mich hat viel mehr interessiert, was eigentlich hinter unserer Vorstellung von Ritterlichkeit steckt und warum diese alten Geschichten bis heute eine solche Wirkung haben.

Wir begegnen deshalb Parzival, Erec und Iwein, Siegfried und einigen Helden, deren Namen heute beinahe vergessen sind. Wir schauen uns an, was Ritterlichkeit im Mittelalter tatsächlich bedeutete, reisen zu alten Burgen und Rittergütern, blättern in mittelalterlichen Handschriften und Sagensammlungen und gehen der Frage nach, warum ausgerechnet das 19. Jahrhundert seine Ritter mit solcher Begeisterung wiederentdeckte.

Denn manches von dem, was wir heute ganz selbstverständlich für „mittelalterlich“ halten, erzählt mindestens ebenso viel über die Romantik wie über das wirkliche Mittelalter.

Dazu gibt es wieder eine Kurzgeschichte, eine kleine Ritterkunde, einen Buchtipp und natürlich jede Menge Illustrationen. Und irgendwo zwischen all diesen Seiten taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Was bleibt eigentlich vom Ritter, wenn man Rüstung, Schwert und Burg wegnimmt?

Vermutlich mehr, als man zunächst denkt.

Nach acht Jahren verändert sich auch die Leseliebe

Mit dieser Ausgabe verändert sich allerdings noch etwas anderes.

Die Leseliebe war seit ihrem Start kostenlos als PDF erhältlich. Das habe ich sehr lange und sehr gern so gemacht. Inzwischen steckt allerdings in jeder Ausgabe so viel Recherche, Schreiben, Überarbeiten und Gestaltung, dass ich mich entschieden habe, das Magazin künftig nicht mehr vollständig kostenlos anzubieten.

Die neuen Ausgaben werden deshalb zukünftig als digitale Magazine in meinem Shop erhältlich sein. Nach und nach möchte ich außerdem einige ältere Ausgaben dort wieder zugänglich machen. Einige andere ältere Hefte dürfen weiterhin kostenlos im Archiv bleiben.

Für mich fühlt sich das eigentlich weniger danach an, etwas wegzunehmen, sondern vielmehr danach, der Leseliebe nach all den Jahren einen eigenen Platz zu geben.

Denn sie ist längst kein kleines PDF mehr, das nebenbei entsteht.

Gerade die neue Ausgabe hat mir das ziemlich deutlich vor Augen geführt.

Und was wird aus der gedruckten Leseliebe?

Seit 2023 habe ich einzelne Ausgaben der Leseliebe zusätzlich in kleinen Auflagen drucken lassen, und auch die Ritter-und-Sagen-Ausgabe würde ich eigentlich sehr gern wieder als richtiges Heft anbieten.

Hier habe ich mich allerdings noch nicht ganz entschieden.

Mit ihren 80 Seiten ist diese Ausgabe deutlich umfangreicher als viele ihrer Vorgänger, und entsprechend hoch fallen diesmal auch die Druckkosten aus. Eine größere Auflage würde den Stückpreis zwar erheblich senken, nur möchte ich natürlich auch nicht zwanzig Hefte drucken lassen, von denen anschließend ein großer Teil bei mir im Regal liegt.

Deshalb überlege ich momentan noch, ob ich wieder eine sehr kleine Printauflage anbiete oder zunächst mit einem Vorverkauf arbeite und erst drucken lasse, wenn genügend Bestellungen zusammengekommen sind.

Die digitale Ausgabe wird auf jeden Fall erscheinen.

Ob daneben auch wieder ein Stapel frisch gedruckter Leseliebe-Hefte bei mir einzieht, entscheidet sich in den nächsten Tagen.

Jetzt wird erst einmal noch Korrektur gelesen

Im Moment liegt die neue Ausgabe noch einmal auf meinem virtuellen Schreibtisch, denn bevor sie erscheint, lese ich alle 80 Seiten ein letztes Mal gründlich Korrektur.

Wer schon einmal einen längeren Text gesetzt hat, kennt vermutlich diesen merkwürdigen Zustand, in dem man einen Absatz fünfzehnmal gesehen hat und trotzdem beim sechzehnten Mal plötzlich einen Tippfehler entdeckt, der offenbar die ganze Zeit fröhlich dort gesessen hat.

Deshalb bekommt die Leseliebe jetzt noch ihre letzte Runde.

Danach werde ich hier natürlich zeigen, wann die neue Ausgabe erscheint, was die digitale Version kosten wird und ob es zusätzlich eine gedruckte Ausgabe beziehungsweise einen Vorverkauf geben wird.

Ein wenig Einblick in die Ritterwelt gibt es vorher aber schon.

Nach 80 Seiten wäre es schließlich schade, die Burgtore noch länger geschlossen zu halten.