Nun sind sie also endlich da, die ersten wirklich konkreten Hinweise darauf, wie es in Sarah J. Maas’ Welt von A Court of Thorns and Roses weitergeht. Und ich gebe zu: Ganz das, was ich erwartet hatte, ist es nicht.
Nach A Court of Silver Flames war ich eigentlich davon ausgegangen, dass wir uns nun langsam Elain und Azriel zuwenden würden. Dafür waren mir in den vergangenen Büchern zu viele Fäden ausgelegt worden, die noch immer lose herumliegen: Elains Gabe als Seherin, ihre ungelöste Verbindung zu Lucien, die merkwürdige Spannung zwischen ihr und Azriel und natürlich Azriels Bonuskapitel, das die Spekulationen um Elain, Gwyn und ihn nicht gerade beendet, sondern erst richtig angeheizt hat.
Nun hat Sarah J. Maas jedoch zwei neue Titel angekündigt: A Court of Splintered Harmony und A Court of Forgotten Melody. Beide gehören zum sogenannten „Valkyrie Cycle“, dem „Walküren-Zyklus“, was den Blick zunächst wieder ganz eindeutig in Richtung Nesta, Gwyn und Emerie lenkt, die in Silver Flames etwas wiederbelebt haben, das in Prythian seit langer Zeit verloren war: die Walküren.
Besonders auffällig ist dabei, dass Maas die einzelnen Teile dieses Zyklus als „Movements“ bezeichnet. Im musikalischen Zusammenhang lässt sich das am besten mit „Sätze“ übersetzen. A Court of Splintered Harmony bildet also den ersten Satz, während A Court of Forgotten Melody den zweiten und dritten Satz umfasst. Schon dadurch wird deutlich, dass die neue Geschichte offenbar wie eine größere musikalische Komposition gedacht ist.
Und plötzlich stellt sich nicht mehr nur die Frage, ob Azriel nun bei Elain oder Gwyn landet. Die beiden Titel, die Klappentexte, die Cover und einige bislang eher beiläufig wirkende Details aus den älteren Büchern lassen vermuten, dass Maas hier eine Geschichte vorbereitet, die wesentlich größer werden könnte.
Ob mir das gefallen wird, weiß ich noch nicht. Spannend finde ich es allerdings sehr.
Eine zerbrochene Harmonie und eine vergessene Melodie
Schon die Titel selbst sind ungewöhnlich auffällig, wenn man sie nebeneinanderlegt.
Splintered Harmony. Eine zersplitterte, zerbrochene Harmonie.
Forgotten Melody. Eine vergessene Melodie.
Dazu kommt die musikalische Struktur des Walküren-Zyklus, dessen einzelne Abschnitte als Sätze bezeichnet werden. Die Geschichte scheint damit zumindest sprachlich wie eine große Komposition angelegt zu sein, deren einzelne Sätze aufeinander aufbauen und schließlich, wenn man dem Klappentext von Band sieben folgt, in einem Crescendo zusammenlaufen.
Den beiden Büchern sind zudem die Leitsätze „What was broken will be remade“ und „What was lost will be reclaimed“ vorangestellt. Etwas Zerbrochenes soll neu geschaffen, etwas Verlorenes zurückgewonnen werden.
Natürlich muss man bei Sarah J. Maas mit solchen Formulierungen vorsichtig sein, denn sie funktionieren meistens auf mehreren Ebenen. Sie können sich auf Länder und Bündnisse beziehen, auf Macht, auf alte Orden, auf Beziehungen oder auf einzelne Figuren. Gerade deshalb finde ich sie jedoch so interessant.
Denn wenn etwas in Silbernes Feuer tatsächlich aus der Vergangenheit zurückgeholt wurde, dann sind es die Walküren.
Nesta, Gwyn und Emerie haben nicht einfach gemeinsam trainiert und gekämpft. Sie haben einen Namen, eine Tradition und schließlich eine Gemeinschaft wiederbelebt, die längst der Vergangenheit angehörte. Vor diesem Hintergrund könnte sich What was lost will be reclaimed beinahe unmittelbar auf die Walküren beziehen.
Vielleicht wird der neue Zyklus also weniger davon handeln, dass es wieder Walküren gibt, sondern davon, was ihre Rückkehr eigentlich bedeutet.
Wer waren die ursprünglichen Walküren wirklich? Welche Funktion hatten sie in der alten Welt? Warum verschwanden sie? Und weshalb kehren sie ausgerechnet jetzt zurück, in einem Moment, in dem sich eine uralte Gefahr erneut regt?
Dann wäre die „vergessene Melodie“ vielleicht sogar ein Bild für die Walküren selbst: etwas, das für Jahrhunderte verstummt war und nun wieder hörbar wird.
Trotzdem komme ich an Gwyn nicht vorbei
Ganz so einfach lässt sich der Titel A Court of Forgotten Melody allerdings nicht von Gwyn trennen.
Musik und Gesang sind zu auffällig mit ihrer Figur verbunden. Gwyn singt in der Bibliothek, sie gehört zu den Priesterinnen, und ihre Stimme wird nicht nur beiläufig erwähnt. Gleichzeitig ist sie eine der drei neuen Walküren.
Wenn nun ausgerechnet ein Buch aus dem Walküren-Zyklus das Wort Melody im Titel trägt, würde es mich sehr überraschen, wenn Gwyn darin keine größere Rolle spielen sollte.
Das bedeutet für mich allerdings noch immer nicht automatisch Gwyn + Azriel = Endgame.
Diese beiden Dinge werden in den Diskussionen um die Reihe gerne miteinander vermischt. Gwyn kann zu einer zentralen Figur dieses Zyklus werden, ohne dass ihre Bedeutung hauptsächlich darin besteht, Azriels romantische Partnerin zu werden. Viel spannender finde ich inzwischen die Frage, ob hinter ihrer Herkunft, ihrer Stimme oder ihrer Verbindung zur Magie noch etwas steckt, das wir bislang nicht kennen.
Und genau hier kommt eine Figur ins Spiel, die ich bei meiner ersten Lektüre von Silbernes Feuer längst nicht so wichtig genommen habe, wie ich es heute tun würde: Merrill.
Gwyn arbeitet für Merrill in der Bibliothek, und Merrill beschäftigt sich ausgerechnet mit Theorien über unterschiedliche Welten und Ebenen der Existenz.
Als Silbernes Feuer erschien, war das interessantes Worldbuilding. Nach allem, was inzwischen in Crescent City geschehen ist, liest sich dieses Detail jedoch vollkommen anders.
Denn mittlerweile wissen wir, dass Maas’ Welten tatsächlich miteinander verbunden sind. Spätestens durch House of Flame and Shadow sind die Verbindungen zwischen diesen Welten Bestandteil der Handlung geworden.
Dass ausgerechnet Gwyn für eine Frau arbeitet, die andere Welten erforscht, während Gwyn nun Teil eines Zyklus wird, dessen Titel von Harmonie, Melodie und einzelnen musikalischen „Sätzen“ sprechen, ist deshalb zumindest ein Detail, das ich mir merken würde.
Und wo bleibt Elain?
Das ist allerdings die Frage, die mich weiterhin am meisten beschäftigt, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass Sarah J. Maas Elain über mehrere Bücher hinweg vorbereitet hat, nur damit sie nun wieder irgendwo im Hintergrund Blumen pflanzt, während ihre Schwestern und sämtliche anderen Bewohner Prythians die Welt retten.
Elains Geschichte ist noch nicht erzählt. Ihre Sehergabe wurde eingeführt, aber bis heute erstaunlich wenig ausgeschöpft. Ihre Verbindung zu Lucien ist nicht geklärt, ebenso wenig ihre Gefühle für Azriel oder das, was zwischen den beiden tatsächlich möglich ist. Dazu kommt, dass Koschei zwangsläufig einen Handlungsstrang wieder in den Vordergrund rückt, der unmittelbar zu Elain führt.
Denn Koschei bedeutet Vassa, Vassa führt zu Lucien und Jurian, und über Lucien landen wir unweigerlich wieder bei Elain.
Der Klappentext von A Court of Splintered Harmony stellt Koschei in das Zentrum des neuen Konflikts: Noch immer an seinen Bergsee gebunden, beginnt er seinen Einfluss auszuweiten und Verbündete um sich zu sammeln, die die menschlichen Länder zurückfordern wollen. Gleichzeitig ist Prythian nach dem Krieg gegen Hybern noch geschwächt und politisch längst nicht so geeint, wie es angesichts dieser neuen Bedrohung sein müsste.
Beim deutschen Namen werde ich übrigens vorläufig Koschei der Unsterbliche verwenden. Das englische Koschei the Deathless klingt in einer wörtlichen Übertragung als „Koschei der Todlose“ für mein Empfinden ziemlich holprig. Solange der deutsche Verlag keine offizielle Übersetzung veröffentlicht hat, ist „der Unsterbliche“ deshalb meine Arbeitsübersetzung.
Gerade gegen einen Gegner wie Koschei könnte Elains Gabe plötzlich eine Bedeutung bekommen, die sie bislang nie entfalten durfte. Wenn der Innere Kreis Informationen sucht, Verbündete aufspüren und Koscheis Pläne verstehen muss, dürfte eine Frau, die Dinge sieht, die andere nicht sehen können, schwerlich überflüssig sein.
Vielleicht wurde Elains Gabe also nicht vergessen, sondern tatsächlich für diese Geschichte aufbewahrt. Ich persönlich würde Elain jedenfalls keineswegs abschreiben, und ich hoffe sehr, dass sie diesmal mehr zu tun bekommt, als Blumen zu pflanzen.
Dasselbe gilt für Azriel. Wenn sich der Innere Kreis laut Beschreibung von A Court of Forgotten Melody weit verstreut, weil jede Information und jeder mögliche Vorteil im Kampf gegen Koschei gebraucht wird, dürfte ausgerechnet der Spymaster des Hofes der Nacht kaum am Rand stehen. Der Klappentext beschreibt eine Situation, in der alte Bündnisse zerfallen, Machtverhältnisse sich verschieben und die Mitglieder des Inneren Kreises an verschiedenen Orten nach Möglichkeiten suchen, Koschei und seinen Verbündeten etwas entgegenzusetzen.
Damit stehen plötzlich wieder beide Frauen in seinem erzählerischen Umfeld.
Gwyn gehört zu den Walküren und passt auffällig zur Musikmetaphorik der neuen Titel, während Elain eine Gabe besitzt, die für einen Informationskrieg gegen Koschei äußerst wertvoll sein könnte und über Lucien und Vassa ohnehin mit dieser Handlung verbunden ist.
Vielleicht macht Maas deshalb im Moment auch keinerlei Anstalten, die romantische Frage zu beantworten. Beide Möglichkeiten lassen sich noch immer begründen, und die neuen Titel liefern eher noch mehr Stoff für Spekulationen.
Ich persönlich würde Elain jedenfalls keineswegs abschreiben.
Was zeigen eigentlich die Cover?
Dann wären da noch die Cover selbst, bei denen ich zunächst überhaupt nicht recht wusste, was ich eigentlich sehe. Auffällig sind diese feinen, sich kreuzenden Strukturen, die wie Fäden, Risse, Saiten oder eben wie ein Netz wirken können. Zusammen mit Splintered Harmony ließen sie sich natürlich schlicht als etwas Zersplittertes lesen, während sie bei Forgotten Melody ebenso an Saiten und damit wieder an Musik erinnern könnten.
Aber wer Throne of Glass gelesen hat, denkt bei netzartigen Strukturen irgendwann zwangsläufig an die Stygischen Spinnen.
Ich würde daraus momentan nicht ableiten, dass plötzlich Spinnen aus Erilea nach Prythian marschieren. Dafür gibt es schlicht keinen Hinweis. Interessanter finde ich die metaphorische Ebene.
Was, wenn dieses Netz für ein Geflecht steht? Ein Geflecht aus alten Bündnissen, Blutlinien, Magie und Geschichten, vielleicht sogar ein Geflecht zwischen Welten.
Maas hat ihre Reihen inzwischen so miteinander verbunden, dass diese Überlegung nicht mehr ganz so verrückt ist, wie sie vor einigen Jahren geklungen hätte. Und gerade Nesta hat sich zu einer Figur entwickelt, über die solche Verbindungen weitergeführt werden könnten.
Dass der neue Zyklus ausgerechnet Walküren-Zyklus heißt und damit unmittelbar an Nestas Entwicklung aus Silver Flames anknüpft, dürfte jedenfalls kaum zufällig sein.
Wer sind die „alten Feinde“?
Besonders neugierig macht mich allerdings eine Formulierung aus der Beschreibung des siebten Bandes. Dort ist davon die Rede, dass alte Feinde aus den Albträumen der Vergangenheit wieder hervortreten werden.
Das kann natürlich zunächst sehr viel bedeuten, und vermutlich werden wir einige dieser Gegner noch gar nicht kennen. Trotzdem gibt es ein paar Möglichkeiten, bei denen ich sofort hellhörig werde.
Am naheliegendsten sind zunächst Koscheis eigene Verbündete, denn schon die Beschreibung des sechsten Bandes macht deutlich, dass sich um ihn mächtige Kräfte sammeln, die etwas zurückfordern wollen, das einst ihnen gehörte: die menschlichen Länder.
Und hier finde ich die Wortwahl ausgesprochen interessant. Koscheis Verbündete wollen etwas zurückfordern. Band sieben steht unter dem Motto, dass das Verlorene zurückgewonnen werden wird. Beide Seiten scheinen also nach etwas zu greifen, das ihnen genommen wurde oder verloren gegangen ist.
Das eröffnet eine ziemlich reizvolle Möglichkeit: Vielleicht sind die beiden Leitsätze keineswegs ausschließlich hoffnungsvoll gemeint. Was zerbrochen ist, wird neu geschaffen, aber von wem? Was verloren ist, wird zurückgewonnen, aber von welcher Seite?
Die Daglan und Prythians älteste Vergangenheit
Wenn Maas tatsächlich tief in die Geschichte Prythians zurückgeht, wären die Daglan für mich besonders interessant.
Die späteren Bücher haben immer deutlicher gemacht, dass Prythians gegenwärtige Ordnung nur die oberste Schicht einer sehr viel älteren Geschichte darstellt. Manche Wesen und Mächte, die zunächst beinahe wie Hintergrundmythologie wirkten, könnten im Nachhinein erheblich wichtiger werden.
Wenn nun von alten Feinden aus den Albträumen der Vergangenheit die Rede ist, würde es mich deshalb nicht überraschen, wenn wir mehr über jene Kräfte erfahren, die schon lange vor Feyre, Rhysand oder selbst der gegenwärtigen Ordnung der High Lords existierten.
Das muss nicht bedeuten, dass genau dieselben Gegner zurückkehren. Vielleicht erfahren wir vielmehr, was aus ihnen geworden ist, woher sie stammten und ob es andere ihrer Art gibt.
Und damit wären wir zwangsläufig wieder bei der größeren Maasverse-Frage.
Asteri, Welten und alte Herrscher
Durch Crescent City hat Maas die Geschichte uralter, weltenübergreifender Herrscher längst mit Prythian in Verbindung gebracht. Deshalb kann man die älteste Geschichte des Landes heute kaum noch vollkommen losgelöst von den Asteri beziehungsweise den Mächten betrachten, die mit ihnen verbunden sind.
Ob die neuen ACOTAR-Bücher tatsächlich so weit in diese Richtung gehen werden, wissen wir natürlich nicht. ACOTAR bleibt zunächst eine eigene Reihe, und die neuen Titel werden eindeutig als Fortsetzung dieser Geschichte angekündigt.
Aber die Möglichkeit ist inzwischen vorhanden.
Und sollte sich herausstellen, dass Koscheis Ursprung, die alten Herrscher Prythians und die Geschichte der Walküren miteinander verbunden sind, würde es mich überhaupt nicht wundern, wenn die Grenzen zwischen den Reihen erneut durchlässiger werden.
Und was ist mit dem Knochenschnitzer und Stryga?
Besonders spannend finde ich in diesem Zusammenhang Koscheis eigene Familie. Der Knochenschnitzer und Stryga sind tot, und ich hoffe eigentlich, dass Maas das auch so lässt. Eine einfache Wiederauferstehung längst abgeschlossener Figuren würde mir wesentlich weniger gefallen als eine Geschichte, die erklärt, was diese Wesen überhaupt waren.
Denn genau darüber wissen wir erstaunlich wenig. Koschei, der Knochenschnitzer und Stryga wirken wie Überreste einer viel älteren Welt. Ihre Kräfte unterscheiden sich deutlich von denen der gewöhnlichen Fae, sie scheinen außerhalb der üblichen Ordnung Prythians zu stehen, und ihre Geschichte reicht weit zurück.
Vielleicht kehren also nicht der Knochenschnitzer und Stryga selbst zurück, sondern vielmehr ihre Geschichte. Vielleicht entdecken wir, woher sie stammen, was Koschei tatsächlich ist und ob es noch weitere Wesen seiner Art gibt.
Das würde für mich sehr viel besser zu den „Albträumen der Vergangenheit“ passen als die bloße Wiederbelebung bereits besiegter Gegner.
Und dann wäre da noch Throne of Glass
An dieser Stelle betreten wir endgültig das Reich der Spekulation, aber genau dafür sind Artikel wie dieser schließlich da.
Wenn Maas ihre drei Welten noch stärker miteinander verweben möchte, sind die Valg aus Throne of Glass schwer zu ignorieren.
Sie gehören nicht ursprünglich in die Welt von Aelin. Die Möglichkeit, zwischen Welten zu gelangen, ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Geschichte, ebenso wie bei Maeve. Damit sind sie grundsätzlich genau jene Art von Gegner, die in einer zunehmend weltenübergreifenden Geschichte wieder Bedeutung bekommen könnte.
Ich glaube allerdings nicht, dass Maas Erawan oder Maeve wieder aus dem Grab holen wird, und ich hoffe es ehrlich gesagt auch nicht. Beide Geschichten besitzen ihren Abschluss, und eine Rückkehr würde diesen im Nachhinein eher schwächen.
Andere Valg oder neue Erkenntnisse über ihre Herkunft wären dagegen etwas völlig anderes.
Dasselbe gilt für die Stygischen Spinnen. Dass mich die Cover an Spinnennetze erinnern, ist noch lange kein Beweis für eine Verbindung zu Throne of Glass. Sollte sich aber herausstellen, dass die Linien tatsächlich ein Netz symbolisieren, würde ich inzwischen zumindest nicht mehr ausschließen, dass Maas damit auch an die Verbindungen zwischen ihren Welten anknüpft.
Vielleicht ist Koschei gar nicht das eigentliche Ende
Und damit komme ich zu einer Theorie, die mir momentan besonders gut gefällt. Was, wenn Koschei zwar der große Gegner des Walküren-Zyklus ist, aber nicht zwangsläufig die größte Gefahr?
Er sitzt seit Jahrtausenden gebunden an seinem See und beginnt nun offenbar, alte Kräfte und Verbündete um sich zu sammeln. Vielleicht glaubt er, sie für seine Zwecke einsetzen zu können. Vielleicht versucht er, etwas zurückzuholen, das vor langer Zeit verloren ging, oder eine alte Ordnung wiederherzustellen.
Aber was, wenn er dabei etwas in Bewegung setzt, das selbst er nicht vollständig beherrscht?
Dann würden die beiden Leitsätze plötzlich eine wesentlich dunklere Bedeutung bekommen. Etwas Zerbrochenes wird wieder zusammengesetzt und etwas Verlorenes kehrt zurück. Das klingt zunächst nach Heilung und Hoffnung, kann aber genauso gut bedeuten, dass eine alte Macht wiederhergestellt wird, die besser zerbrochen geblieben wäre.
Und genau deshalb beschäftigt mich die Formulierung von den alten Feinden aus den Albträumen der Vergangenheit so sehr.
Vielleicht werden wir am Ende gar nicht nur erleben, wie die Walküren zurückkehren, sondern erfahren, weshalb die Welt sie überhaupt wieder braucht.
Meine derzeitige Theorie zum Walküren-Zyklus
Je länger ich die wenigen Informationen betrachte, desto weniger glaube ich inzwischen, dass Sarah J. Maas mit dem Walküren-Zyklus einfach eine Fortsetzung von Nestas Geschichte schreibt.
Ich könnte mir vielmehr vorstellen, dass die Wiederbelebung der Walküren in Silbernes Feuer der Anfang von etwas war, dessen Bedeutung Nesta, Gwyn und Emerie selbst noch gar nicht verstanden haben. Vielleicht entdecken sie die ursprüngliche Geschichte ihres Ordens und stoßen dabei auf Wissen, das über die Grenzen des heutigen Prythian hinausreicht. Gwyn könnte aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Stimme oder ihrer Arbeit mit Merrill eine besondere Rolle dabei spielen, während Nesta bereits an Ereignissen beteiligt war, die andere Welten berühren.
Gleichzeitig führt Koschei Vassa, Lucien und Jurian zurück in die Geschichte und damit zwangsläufig auch Elain, deren Sehergabe für den kommenden Konflikt endlich jene Bedeutung bekommen könnte, die seit ihrer Einführung in ihr steckt. Azriel wiederum wäre als Spymaster geradezu prädestiniert dafür, nach Koscheis Schwächen, Verbündeten und Geheimnissen zu suchen.
So könnten all jene Handlungsstränge zusammenfinden, von denen wir bislang glaubten, sie gehörten zu ganz unterschiedlichen Geschichten.
Und vielleicht ist genau das die Harmony, von der der Titel spricht: nicht nur musikalische Harmonie und nicht nur Gwyns Gesang, sondern eine Ordnung aus Figuren, Bündnissen, Magie und vielleicht sogar Welten, die zunächst zerbricht und anschließend neu zusammengesetzt werden muss.
Bleibt ACOTAR dabei noch ACOTAR?
Bei aller Freude am Spekulieren ist das tatsächlich der Punkt, bei dem ich noch nicht recht weiß, was ich von der Ankündigung halten soll.
Ich mochte ACOTAR immer gerade deshalb, weil Sarah J. Maas große Fantasykonflikte mit sehr persönlichen Geschichten verbunden hat. Hinter Kriegen, Flüchen und uralter Magie standen Beziehungen, Verletzungen, Sehnsüchte und Liebesgeschichten, und genau darin lag für mich ein wesentlicher Teil des Reizes.
Deshalb hoffe ich, dass Prythian nun nicht lediglich zur Schaltzentrale eines riesigen Maasverse wird, in dem immer mehr Welten, uralte Spezies und magische Artefakte aufeinandertreffen.
Ich möchte Elains Geschichte lesen und endlich verstehen, welche Rolle ihre Gabe spielt. Ich möchte wissen, wohin Azriels Weg führt und ob seine Geschichte tatsächlich mit Elain oder doch mit Gwyn verbunden ist. Ich möchte erfahren, was es mit Gwyns Herkunft auf sich hat, und ich möchte, dass Lucien irgendwann mehr bekommt als die Rolle des Mannes, der zuverlässig von einem ungelösten Problem zum nächsten geschickt wird.
Und natürlich möchte ich wissen, was Sarah J. Maas mit den wiedererstandenen Walküren vorhat.
Dass die neuen Bücher weiterhin ausdrücklich als Romantic Fantasy angekündigt werden, lässt zumindest hoffen, dass die Beziehungen der Figuren trotz des offenbar größer werdenden Konflikts nicht an den Rand gedrängt werden.
Vielleicht bekommen wir also tatsächlich beides: eine Geschichte, die tiefer als je zuvor in die Vergangenheit Prythians und möglicherweise sogar in die Verbindungen zwischen den Welten führt, und zugleich jene persönlichen Geschichten, auf deren Fortsetzung viele Leser seit Silver Flames warten.
Bis dahin bleiben allerdings jede Menge Fragen. Wer sind Koscheis mächtige Verbündete? Was wollen sie aus der Vergangenheit zurückholen? Welche Bedeutung besitzen die Walküren wirklich? Warum arbeitet ausgerechnet Gwyn für eine Priesterin, die andere Welten erforscht? Worauf beziehen sich die musikalischen Titel? Welche „alten Feinde“ kehren zurück?
Und vor allem: Wer bekommt am Ende eigentlich Azriel?
Gut gemacht, Sarah.
Jetzt diskutieren wir wieder monatelang.