Acht Berge

Mit „Acht Berge“ ist Paolo Cognetti ein sehr beeindruckendes, weises Buch gelungen.

Pietros Vater hat die Berge geliebt und so verwundert es auch nicht, das Pietro auch als Erwachsener zurück in die Berge (er fristet mittlerweile ein Dasein in der Großstadt), zu seinem Freund Bruno zurückkehrt. Die beiden genießen die Stille, das pure Dasein, die Stille der Berge … dabei unterhalten sie sich auf höchst unterhaltsame, weise und philosophische Art und Weise. Sehr beschaulich kommt das Buch daher, es erzählt vom Leben in den Bergen, das sich viele Menschen gar nicht mehr vorstellen können. Vom gemächlichen Dahintrotten des Tages, die Stille und den Naturgewalten, denen man in den Bergen etwas intensiver ausgesetzt ist.

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Das geheime Leben des Monsieur Pick

David Foenkinos hat ein zauberhaftes neues Buch mit dem Titel „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ geschrieben. Es geht um eine Bibliothek für Bücher in einem kleinen Ort in der Bretagne. Bücher, die kein Verlag veröffentlichen, also niemand lesen wollte (sagen die Verlage, doch woher wollen sie das wissen?). Jean-Pierre Gourvec, der Bibliothekar dieser spektakulären Bibliothek der abgelehnten Manuskripte ist ein schlanker, schroffer und doch besonnener und überlegter Mensch. In seinen Augen dienten Wörter einem Sinn und Zweck. Eben auch jene Wörter, die in den abgelehnten Manuskripten zu lesen sind. Nach seinem Tod gerät die Abteilung der verschmähten Bücher immer mehr in Vergessenheit, bis eines Tages eine Literaturagentin ein vielversprechendes Manuskript entdeckt.

Der Roman stammt von einem lokalen Pizzabäcker, der selbst bereits schon verstorben ist. Seine Witwe hat ihn selbst nie schreibend erlebt und bezweifelt auch stark, dass das Buch ihr Mann geschrieben haben soll, doch die Geschichte ihres Mannes mutiert zum Bestseller in Frankreich. Das Buch löst sehr viele Turbulenzen aus, wie man sich vorstellen kann. Vielen Neugierige kommen jetzt in das Dorf und das Buch verändert auch das Leben vieler Dorfbewohner und deren Beziehungen. Mehr möchte ich hier auch gar nicht verraten, lest das Buch unbedingt ;-)!

Wer David Foenkinos kennt, der weiß, wie detailliert der Autor seine Figuren skizziert und wie er diese so zum Leben erweckt, als würde man diese schon sehr lange kennen. Ich habe alle Personen ins Herz geschlossen und auch der herrlich altmodisch Schreibstil (hervorragende Arbeit des Übersetzers Christian Kolb!), der brillant ins Deutsche übertragen wurde.

Das sagt der Autor zur Frage, ob es sich um ein Buch über Bücher und die Verlagswelt handelt:

„Die Verlagswelt ist eine Art Hintergrund. Was mich vor allem interessiert, sind die menschlichen Schicksale. Der Verfasser des mysteriösen Manuskripts hat im Geheimen geschrieben. Wer war er? Wann hat er an dem Buch gearbeitet? Zu dieser Figur wurde ich angeregt durch die Geschichte von Vivian Maier, der Babysitterin, deren großartige Fotografien man erst nach ihrem Tod entdeckt hat; diese Art, ganz im Verborgenen ein Werk zu schaffen … Der Roman sollte eine Art Spurensuche sein nach diesem Man – der vielleicht gar nicht der wahre Autor ist?“

Der erste Satz:

„1971 erschien der Roman Die Abtreibung des amerikanischen Schriftstellers Richard Brautigan.“ (Seite 9)

Zur Info: Als Hommage an Brautigan gründete ein Fan dessen Bücher eine Bibliothek der abgelehnten Manuskripte. So entstand in den USA (in Vancouver im Bundesstaat Washington) die Brautigan Library, die eben diese nie veröffentlichten Bücher sammelt. 

Hier gibt es ein interessantes Interview mit David Foenkinos!

Fazit: Ein sehr warmherziges, nachdenklich stimmendes aber auch sehr amüsantes Buch über den Literaturbetrieb! Es ist eine Liebeserklärung an die Kraft und Magie der Worte und auch auf die Wirkung von mit Herzen geschriebenen Büchern! Unbedingt lesen!

++++++Achtung+++++++:

Auf meiner Facebookseite verschenke ich ein Lese-Exemplar dieses tollen Buches – schaut doch mal vorbei: https://www.facebook.com/buchnotizen.de/

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Die Abschaffung der Mutter

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Alina Bronsky und Denise Wilk haben mit „Die Abschaffung der Mutter“ ein sehr streitbares, aber auch sehr wichtiges Buch geschrieben.

Die Mütter von insgesamt 10 leiblichen Kindern, haben vielfältiges Erfahrungen gesammelt. Aus der Einleitung geht hervor, dass das Buchprojekt wohl schon vor Veröffentlich für reichlich Wirbel gesorgt hat, denn das Vorwort kommt sehr kämpferisch daher, was mir zu Beginn nicht so gut gefallen hat.

Auch das Thema „Vollzeitmutter“ fehlt nicht, denn gerade diese scheinen so manch anderen Müttern ein Dorn im Auge zu sein. Ich sage immer: Leben und leben lassen. Wenn eine Frau glücklich damit ist, ihre Kinder selbst zu erziehen und nicht in die Fremdbetreuung zu investieren, so ist das doch perfekt für die Kinder. Ich stelle immer wieder fest, dass es – leider – unter Müttern keinen Zusammenhalt gibt, jede meint, das Beste zu tun, aber ich sage, jeder wie er mag. Die Akzeptanz der Mütter, die ist wichtig. Nicht wer wie was und wo macht.

Ich bin sehr gerne für mein Kind da und mir ist es völlig egal, was andere darüber denken, denn es ist meine Entscheidung und mein Leben.

Richtig in Fahrt kommen die beiden Autorinnen, wenn es um den von allen Seiten propagierten Zwang der Betreuung von Kleinkindern geht. Die in den Medien stets positiv verbreitenden positiven Erfahrungen in der Kleinkinderbetreuung in Schweden und Frankreich widerlegen die beiden, mit prominenter Unterstütung des Familientherapeuten Jesper Juul nd dem Bindungsforscher Karlhein Brisch.

Fazit: Ein wichtiges, kämpferisches Buch und ganz besonders die Stellen über die oben erwähnte frühkindliche Betreuung sowie die ebenfalls lesenswerten Textstellen über die Situation Alleinerziehender in Deutschland sind absolut gut recherchiert und geschrieben. Auch soll das Buch dazu anregen, sich selbst als Mutter einmal zu reflektieren und sich von den Meinungen anderer und den in den Medien propagierten Trends schlicht und einfach zu distanzieren und sich auf seine Familie zu konzentrieren – ob nun mit Teilzeitjob oder ohne. Hauptsache alle sind damit glücklich und zufrieden. Freiheit für die Frau und Mutter, Freiheit für alle Menschen!!!

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David Foenkinos: Charlotte

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David Foenkinos ist es einmal mehr gelungen, mich mit seinem aktuellen Buch „Charlotte“ zu überraschen. Schlägt man das Buch auf, so ist man zunächst verblüfft, manch einer eventuell auch erschrocken, denn die „Biographie“ der Malerin Charlotte Salomon ist wie ein endloses Gedicht geformt – eine optische, eher ungewöhnliche Form für eine Künstlerbiographie. Die Einzeiler haben es jedoch mehr als in sich und David Foenkinos erklärt im Buch, dass er den Text einfach so schreiben musste.

Und das tut er sehr gut, einfühlsam, persönlich und fesselnd. Es ist die Geschichte der jungen, jüdischen Malerin Charlotte Salomon. Die Künstlerin hatte – trotz ihres kurzes Lebens – ein sehr ereignisreiches und von vielen Schicksalsschlägen geprägtes Leben. In der Familie ihrer Mutter gibt es viele Suizide, und auch ihre Mutter bringt sich im Alter von 36 Jahren um. Ebenso wie deren Schwester und später auch die Großmutter. Ihr Vater, ein erfolgreicher Arzt und Chirurg heiratet vier Jahre später eine berühmte Opernsängerin, die das gesellschaftliche Leben in das Leben der beiden – Vater und Tochter – zurückbringt. Jedenfalls für kurze Zeit. Dann kommt 1933 die Machtergreifung der Nazis. Dennoch schafft es Charlotte – mit Unterstützung eines sehr einflussreichen jüdischen Professors namens Bartning – an der Staatsschule für Freie und Angewandte Kunst aufgenommen, zu werden.  Doch auch dies dauert nicht lange, dann muss Charlotte zu ihren Großeltern nach Frankreich fliehen.

Fazit: Ein sehr bewegendes  und außergewöhnliches Buch über eine starke und sensible Künstlerin, die im Alter von  26 Jahren und im 5. Monat schwanger,  im KZ sterben musste.

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Miriam Gebhardt: Als die Soldaten kamen

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Es ist schockierend und beklemmend zugleich als Frau dieses Buch zu lesen, zu lesen, was grenzenloser Hass im Krieg aus Menschen – insbesondere Männern macht. Tiere, die Frauen und Mädchen benutzen, um sich zu rächen – todesmutig und äußerst heldenhaft am Schwächeren – es ist wie immer in der Geschichte … Macht, Gier, etc. Miriam Gebhardt hat in ihrem Buch „Als die Soldaten kamen“ all dies zusammengetragen. Mir war ziemlich übel, als ich all das gelesen habe, vor allen Dingen die prüden Amerikaner, die sich ja heutzutage im Kriegsfall auch nicht besser verhalten. Von den Russen ganz zu schweigen. Niemand kann sich nur im Entferntesten vorstellen, was diese Frauen alles erleben mussten, nicht nur im Krieg, sondern auch danach … Das Buch ist ein wichtiges Zeitzeugnis, jedoch ist es von den Fakten her so erdrückend, ich musste es mehrmals weglegen. Alleine die Vorstellung, dass die Grenzen und der Respekt vor dem Leben eines Menschen, seiner Würde so niedergerissen wurden und das nach all den Verlusten, die diese Frauen, Mädchen und Kinder bereits erleben mussten. Nur wegen einem viel zu kurzen Österreicher … Widerlich! Niemals mehr sollte irgendein ein Mensch hier auf Erden so eine Erfahrung machen müssen – Gott bewahre uns davor. Nicht zu denken, was diese Frauen, Mädchen und Kinder erleiden mussten, sie wurden missbraucht, vergewaltigt, geschändet, oft vor den Augen der Eltern, so sie noch lebten, und sie mussten noch ein Leben lang mit diesem Trauma – viele ohne je darüber reden zu können oder zu wollen – leben. Am Ende auch noch mit einem Kind, dass aus bloßer Gier und Hass entstanden ist. Das sind für mich die wahren Helden Deutschlands!

Fazit: Für Leser mit starken Nerven, die ihre Großmütter, Tanten etc. verstehen möchten. Jugendliche sollten das Buch auch unbedingt lesen, anstelle von wenig sinnbringenden Computerspielen Menschen abballern …oder dem sinnentleerten Gesimse oder dem für die Allgemeinbevölkerung gefährlichem Starren auf das Handydisplay … ! Es gab eine Welt vor Facebook, ihr Lieben!

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Ein Jahr auf dem Land von Anna Quindlen

ein jahr auf dem landNoch einmal neu anfangen: Rebecca Winter, einst gefeierte Foto-Künstlerin, geschieden, ein erwachsener Sohn, steht mit 60 Jahren vor einem kompletten Neuanfang.

In „Ein Jahr auf dem Land“ schildert Anna Quindlen, wie es ihrer Protagonistin dabei ergeht. Aus finanziellen Nöten vermietet Rebecca ihr tolles Apartment in New York und mietet sich in einer Holzbruchbude  – genannt Ferienhaus – auf dem Lande ein. Hier möchte sie zur Ruhe kommen und Abstand zu ihrem Stadtleben gewinnen. Doch so idyllisch, wie sie sich das Landleben vorgestellt hat, ist es nicht wirklich. Ein Handwerker zeigt ihr, wie es ihr gelingen kann, mit allem  harmonisch im Einklang zu leben, ihr der alternden Künstlerin. Sie lernt  mit den Einheimischen auszukommen und die Natur zu lieben.

Es ist ein mutiges Buch, eine mutige Geschichte einer mutigen Frau, die sich mit 60 Jahren noch einmal neu aufstellt und fernab ihres alten städtischen „Promi“-Lebens noch einmal besinnt und neu beginnt. Es ist ein sehr unterhaltsames,  tiefgehendes Buch, wenn es auch meiner Meinung etwas mehr in die Tiefe hätte gehen können. Nicht immer lesen wir Frauen gerne nur auf der Beziehungsebene ;-).

 

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Das neue SoLebIch Buch

SoLebIchMit ihrem zweiten Wohnkultur-Buch „Das neue SoLebIch Buch“ ist der Autorin Nicole Maalouf ein zauberhafter Bildband voller wunderschöner Ideen gelungen. Sie wirft dabei einen Blick in die Wohnungen und Häuser ihrer gleichnamigen Wohn-Community. Gefallen hat mir, dass nicht nur das kühle weiße skandinavisch angehauchte Wohnmodell gezeigt wird, wie es diverse vergleichbare Wohn-Bücher und Wohnzeitschriften in ihren Shabby-Vintage-Landhaus-Stil-Lookalikes zeigen, sondern dass auch Farbe und etwas fülligere und nicht klare strukturierte und gestylte Wohnungen durchaus gemütlich sein können. Bei den Accessoires der diversen Wohnungen scheint aber dennoch eine ähnliche Basis vorhanden zu sein: Auffällig sind die tollen Isolierkannen der Marke Stelton, die wohl zum Standard-Wohnprogramm der kreativen Szene zählen ;-). Auch der Chemex-Kaffeebereiter scheint ein Must-have ;-). Natürlich auch die diversen Vintage-Schwedenhappen wie Dosen, Töpfe, Tassen etc. dürfen nicht fehlen.

Fazit: Ein tolles Buch zum Schmökern auf dem gemütlichen Sofa mit Tee und Reste-Plätzchen ;-), sehr kurzweilig und phantasieanregend!

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Gelesen: Die Geschenke meiner Mutter

Geschenke meiner MutterDie Mutter der in Deutschland recht unbekannten norwegischen Journalistin und Bestsellerautorin Cecilie Enger ist an  Alzheimerdemenz erkrankt und beim Auflösen des mütterlichen Hausrates findet sie einige Erinnerungsstücke und auch eine Liste mit akribisch notierten Weihnachtsgeschenke der letzten Jahrzehnte.

In ihrem autobiographisch gefärbten Roman „Die Geschenke meiner Mutter“, erschienen im DVA Verlag, werden Erinnerungen  wach an Familie und Freunde. Leider kann Cecilie mit ihrer Mutter nicht mehr darüber sprechen – die Demenz schreitet voran. Doch mit der Weihnachtsliste gelingt es Cecilie, sich Schritt für Schritt zu erinnern, auch mit Hilfe ihrer Familie – ihren Geschwistern und ihrem Vater.

Dieser kraftvolle, intensive und melancholische Roman hat bisher leider noch wenig Beachtung in Deutschland gefunden und ich hoffe sehr, dass sich das ändert, denn das Buch ist mehr als lesenswert. Es ist eine intensive Spurensuche einer Tochter nach Erinnerungen an früher, die sie ohne ihre Mutter erforschen muss. Unterstützt wird sie von ihrem Vater, von dem sich die Mutter vor Jahren getrennt hat. Der Roman ist eine sehr intensive, historisch durchweg interessante Familienchronik einer lesenswerten Autorin.

Der erste Satz:

Ich war schon lange darauf vorbereitet, dass der Tag kommen würde, aber nur als ein Tag in ferner Zukunft.

Fazit: Ein lesenswerter, interessanter, autobiographisch gefärbter Roman passend auch zum bevorstehenden Weihnachtsfest! Großartiger Geschenketipp!!!

 

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Endlich mal wieder ein richtig gutes Buch …

Das Glueck der Worte von Sonia LaredoIch habe das zauberhafte Buch „Das Glück der Worte“ von Sonia Laredo zu Ende gelesen, besprechen darf ich es aber erst ab dem Erscheinungstag, dem 27.10.2014.

Abends konnte ich nicht aufhören zu lesen, morgens galt mein erster Gedanke diesem wundervollen literarischem Kleinod und Glücksfall für alle Leser ;-)!

Ich kann es euch nur wärmstens empfehlen: LEST DIESES BUCH!!!!!

Ein echter Herbst-Schmöker und ein Muss für Bücherliebhaber, Viel-Leser, Autoren und solche, die es werden möchten, Literaturbegeisterte, … etc.