Das geniale Gedächtnis

geniales gedächtnis

Die beiden Hirnforscher Hannah Monyer und Martin Gessmann möchte mit ihrem neuem Buch „Das geniale Gedächtnis – Wie das Gehirn aus der Vergangenheit unsere Zukunft macht“ den Bogen zwischen Hirnforschung und Philosophie spannen. Anfänglich liest sich das Buch leider staubtrocken, sehr wissenschaftlich und man kann sich als Leser nicht vorstellen, dass das Buch noch besser werden kann …. Ich muss zugeben, ich musste mich sehr konzentrieren, um dem anspruchsvollen und teils dröge formulierten Text folgen zu können. Ab Kapitel 2 , in dem es um Träume geht, komme ich wieder in einen guten Lesefluss und es ist sehr interessant zu lesen, wenn auch die sprachlichen Formulierungen mich dann und wann zwingen, Sätze mehrmals zu lesen, um den Sinn zu verstehen.

Ein Beispielsatz (Seite 101):

„Damit sind wir endlich an dem Punkt angekommen, an dem wir auf unser Versprechen aus dem ersten Kapitel zurückkommen und Fleisch auf die Knochen geben können bei der Frage, wie unser Gedächtnis auf die Zukunft hinarbeitet – und dies die meiste Zeit im Verborgenen, also ohne, dass wir uns dessen richtig bewusst werden.“

Fazit: Ein interessantes Thema das in meinen Augen sehr langweilig und umständlich umgesetzt wurde und nicht gut geschrieben wurde. Das Buch liest sich in vielen Teilen einfach nicht flüssig! Die vielen Schachtelsätze lassen sich nur mit höchster Konzentration verstehen. Manchmal habe ich mir gewünscht, dass die beiden gelehrten Autoren mal an ihre Großeltern beim Schreiben denken und einfacher formuliert hätten. Oftmals hat man das Gefühl, dass sie einfach nicht auf den Punkt kommen und wie gesagt, das Buch ist nicht gut geschrieben! Schade!

 

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Randall Munroe: Der Dinge Erklärer

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Was für ein erstaunliches, witziges, detailliertes, liebevoll gestaltetes Buch! Randall Munroe hat sich mit „Der Dinge-Erklärer“ selbst übertroffen und hat es geschafft, scheinbar komplizierte Dingen in einfachen Worten und genialen Zeichnungen und Skizzen zu erklären. Ein Meisterwerk, in tollen Farben und sehr genial aufgemacht! Ich bin so begeistert von dem Buch und kann es euch nur empfehlen. Es macht große Freude und ist ein zauberhaftes Weinachtsgeschenk.

Randall Munroe, Erfinder der XKCG Comics und What if?, hat sich zum Ziel gesetzt, einfach ALLES zu erklären, aber dazu nur die tausend häufigsten Wörter der amerikanischen Sprache zu verwenden! Ein Hoch auf die wackeren Übersetzer, die die Texte nun in die am meisten verwendeten deutschen Wörter übertragen durften. So wird beispielsweise aus dem seltenen Wort Lift (welches nicht unter den diesen einfachen Wörtern zu finden ist) wird dann eben das „Hochziehzimmer“. Eine Ölbohrinsel wird zur „Schwimmstadt zum Löcherbohren“ oder das Periodensystem zu den „Teilen, aus denen alles gemacht ist“. Herrlich diese Sprachspielerei!

Wer komplexe Dinge mit einfachen Worten erklären kann, der hat auch das Prinzip dahinter verstanden. Dieses Buch sollte auf jeden Fall den Weg in die Schulen finden und auch dem einen oder anderen echt komplizierten Schulbuch Vorbild sein … So würde den Kindern das Lernen mehr als nur Spass und Freude bringen!

Fazit: „Der Dinge-Erklärer“ ist ein geniales Buch mit einem genialen Konzept dahinter – sollte unbedingt SCHULE machen 😉 … Bitte noch schnell kaufen, verpacken und zahlreich den Liebsten unter den Weihnachtsbaum legen!!!!

 

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Gelesen: Lieber Mr. Salinger von Joanna Rakoff

lieber mr. salingerFrisch von der Uni nimmt  die noch jugendlich-naive Joanna Rakoff  mit 23 Jahren ihren ersten Job in einer bekannten Literaturagentur als Assistentin an. Dort ist sie u.a. dafür zuständig, Brief zu beantworten, die an einen Autor namens Jerry geschickt werden, der niemand anderes ist als J.D. Salinger persönlich. Das Buch „Lieber Mr. Salinger“ von Joanna Rakoff ist keine fiktive Geschichte, Joanna hat dies alles so erlebt.

Joanna geht es wie vielen Menschen: Sie kennen J.D. Salinger aber nicht jeder hat seine Bücher gelesen. Und so beginnt sie, alle Bücher des weltberühmten Autors, mit dem sie auch telefoniert, zu lesen.

Die Literaturagentur wirkt etwas altertümlich, auf Computer wird weitgehend verzichtet, erst zum Ende der Geschichte hin werden Computer angeschafft. Der Aufbau der Geschichte folgt den vier Jahreszeiten, was ich auch ein schönes Bild finde … Vom Erblühen zur Ernte: Joanna entwickelt sich stetig weiter während ihrer Tätigkeit und reift auch innerlich durch die Beschäftigung mit den Leserbriefen an den große J.D. Salinger heran. Wie ein Schmetterling.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, wenn es auch sehr amerikanisch geschrieben ist und diese ewige Coming-of-Age-Geschichte, die auch von Regisseuren sehr gerne verfilmt wird manchmal etwas nervt, das Leben ist nun mal Entwicklung und Reifung, deshalb passt es schon. Es ist eine klare Empfehlung für jeden Bücherliebhaber und Möchtegern-Schriftsteller. Es ist eine spannende Zeitreise in die Welt der Bücher vor der Digitalisierung und ein interessanter Einblick in die Arbeit von Literaturagenten. Es ist so lässig geschrieben und man spürt förmlich den Zeitgeist beim Lesen. Auch das ständige Gequalme der Agenturmitarbeiter – herrlich Retro ;-)! Im Kopf hatte ich als Joanna Schauspielerinnen wie Audrey Hepburn und Doris Day 😉 …

Das Cover ist in einem frischen, luftigen Blau und passt hervorragend zum Inhalt. Joanna Rakoff hat vor dem Beginn der digitalen Revolution ihren Assistentinnenjob ausgeübt und noch  – wie damals üblich – alles mit einer elektrischen (immerhin) Schreibmaschine getippt. Es passt zu ihrem Jahr in der Literaturagentur, denn durch die dort gemachten Erfahrungen, die ihr Flügel verliehen haben 😉 und sie es endlich schafft, sich von all den fremden Erwartungen um sie herum loszulösen und das zu tun, was sie schon immer machen wollte: Schreiben!

Fazit: Unbedingt lesen und Salingers  „Fänger im Roggen“ am besten dazu …!

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Gelesen: Denken – Wie das Gehirn Bewusstsein schafft

DenkenEin sehr interessantes Buch auch für Laien hat Stanislas Dehaene mit „Denken – Wie das Gehirn Bewusstsein schafft“ geschrieben.

Viele aktuelle Studien und auch Bilder, in denen man seine Wahrnehmung auch einmal selbst testen kann, finden sich in diesem wahrhaft lesenswerten Buch. Es ist flüssig und gut nachvollziehbar geschrieben und sehr bildend ;-). Mich interessiert dieses Thema sehr, wie wir denken und auch wie Koma-Patienten und Babys denken. Das Buch umfasst die aktuellen Forschungsergebnisse zu diesem Thema,  es ist ein tolles Nachschlagewerk „zur Enträtselung des menschlichen Geistes“. Auf den Punkt sozusagen.

Also wer gerne Sachbücher zum Thema Denken liest – kommt an diesem Buch einfach nicht vorbei.

Wie ich da starr und heiser ward vor Grauen,

Darüber schweigt, o Leser, mein Bericht,

Denn keiner Sprache lässt sich dies vertrauen.

Nicht starb ich hier, auch lebend blieb ich nicht.

Dante Alighieri, Die göttliche Komodie (ca. 1307-21)

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Austen-Fans aufgepasst: Im Hause Longbourn

Im Hause LongbournLest! Dieses! Buch! Es ist die Geschichte hinter der Geschichte von „Stolz und Vorurteil“, es geht um das Leben und Wirken der Dienstboten, derjenigen unsichtbaren guten Geister, die die Familie Bennett bedienen und umsorgen. Was für eine geniale Idee, so wird die Geschichte, die zu meinen Lieblingsbüchern von Jane Austen zählt, noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive erzählt. Geschundene Hände, ausgefüllte, angestrengte Tage. Wie schwer es damals war, alleine die Wäsche zu waschen und zu trocknen. Gelebte Historie Par excellence!

Bühne frei also für das Haushälter-Ehepaar Mr. und Mrs. Hill, Polly, das jüngste Hausmädchen, Sarah, die junge Hausangestellte  und dem Hausdiener James. Man erfährt als Leser natürlich auch die Sorgen und Bekümmernisse, Aktivitäten etc. der Familie Bennet im Hintergrund, aber im Vordergrund steht das harte Leben der Dienstboten. Jeder von ihnen hat ein eigenes Leben, eigene Bedürfnisse, eine eigene Geschichte. Ihr Alltag ist sehr hart, der Tag beginnt früh und endet spät. So ist wie oben bereits kurz erwähnt alleine ein Waschtag harte Arbeit, die den ganzen Tag andauerte. Und auch das Frisieren der jungen Dame Bennet mit der Brennschere sorgt bei Sarah für verbrannte Hände und Rückenschmerzen. Auch Abendgesellschaften waren harte Arbeit. Nicht nur die ganzen Vorbereitungen, nein es musste auch auf die Rückkehrer gewartet werden und nachts oder am frühen Morgen noch Tee und Gebäck gereicht werden. Und alles, was man bei Jane Austen nicht findet, kommt hier zum Ausdruck: Der Gestank, Blut, der Schmutz, die Erschöpfung des Dienstpersonals, wache Nächte, lange Arbeitstage, Kälte, geschundene, verbrannte und rissige Hände …

Die Autorin beschreibt auch, wie wenig Möglichkeiten es damals für unverheiratete Mädchen und junge Damen gab, besonders wenn sie nicht in angemessene Kreise hinein geboren wurden. Es ist ein wundervolles Buch, das „Stolz und Vorurteil“ sehr gut ergänzt, ein Blick hinter die Kulissen von Longbourn.

Und natürlich musste dieses Buch von einer Britin geschrieben werden 😉 – um an meine gestrige Rezension anzuschließen: Vielleicht eine Reinkarnation von Jane Austen ;-)?!

Fazit: Kauft und lest dieses Buch! Ein Must-have für alle Jane-Austen-Fans, Fans der englischen Klassiker, feine Damen und Herren ;-), alle Historien-Schmöker-Fans …

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Gelesen: Troll von Stefan Spjut

Troll von Stefan SpjutIch habe das Buch „Troll“ (Originaltitel: Stallo) von Stefan Spjut mit gemischten Gefühlen gelesen. Es ist gut geschrieben und die Geschichte ohne Zweifel einigermaßen spannend, dennoch bin ich nicht so richtig in dieses Buch hineingekommen … Ich kann es nicht richtig beschreiben – vielleicht bin aus dem Alter heraus, in dem man Stephen-King-Geschichten noch gerne liest …

Fakt ist, dass das Buch mich irgendwann genervt und gelangweilt hat. Ich habe viele Seiten überblättert und bin dennoch weiter in der Geschichte mitgekommen. Ich war ehrlich gesagt froh, als es vorbei war … Aber lest das Buch selbst … Mir war es einfach zu sehr Stephen-King-like – so zwanghaft gewollt … Stefan Spjut versucht wie sein großes Vorbild mysteriöse bzw. Fantasyelemente in ganz normale alltägliche Leben hineinfließen zu lassen … doch nach einer Weile ist eben genau das anstrengend beim Lesen … Die surreale Geschichte beginnt spannend kann aber dieses hohe Niveau nicht bis zum Schluss durchhalten … Der schwedische Autor lüftet leider zu schnell die geheimnisvolle Geschichte, die sich um die mystischen Wesen rankt und er beschreibt viele Kleinigkeiten z. B. was gegessen wird und Autofahrten so haargenau, dass sie einem aus der Geschichte fast heraustragen.

 

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