Gelesen: Immer noch New York

Immer noch New YorkWie bereits das im Jahr 2000 erschienene Vorgängerbuch „New York“ ist auch der neue Essayband „Immer noch New York“ von Lily Brett eine Anreihung ihrer persönlichen Eindrücke aus der Weltmetropole. Lily Brett geht gerne mit offenen Augen spazieren, beobachtet, entdeckt ihre Stadt, dabei sammelt sie ihre ganz persönlichen Eindrücke, die sie dann in ihrer teils trockenen Sprache dem Leser zur Verfügung stellt. Frau Brett schreibt über ihre „Stadtführungen“  flüssig, witzig und ihre Anekdoten aus dem jüdischen Humor sind Weltklasse. Sie bringt uns New York näher und auch wie der New Yorker ist, ihre Schilderungen sind prall gefüllt mit Leben, Gefühlen, feinsinnigen Beobachtungen, herzlich, souverän und unglaublich lässig.

Ich lese Lily Brett sehr gerne, sie schreibt witzig, aus dem Herzen heraus, mit Chuzpe (so heißt auch einer ihrer tollen Romane, den ich damals verschlungen habe) und kann sich auch über sich selbst lustig machen. Und ihr toller 98-jähriger (!) Vater, der dann und wann in ihren Geschichten auftaucht ist sowieso schon Kult – in meinem Herzen ;-).

Fazit: Ein tolles Buch für New-York-Liebhaber, Leser von Alltagsbeobachtungen, Fans von Lily Brett sowieso. Sehr lesenswert!

Das schreibt der Verlag:

»In Downtown Manhattan sah man oft einen Mann, der mit einem Papagei auf dem Kopf herumspazierte. Ein Papagei weckt in New York kein großes Interesse, ein Papagei auf dem Kopf eines Mannes schon.« Lily Brett, die australische New Yorkerin mit europäischen Wurzeln, steckt mittendrin, und um die Stadt einzufangen, hält sie sich selbst den Spiegel vor. Hinreißend erzählt sie von ihren Nöten, einen halbwegs anständigen Büstenhalter im Greenwich Village zu erstehen, vom befremdlichen Anblick der Schoßhündchen in Regenmänteln und Sonnenbrillen, vom überbordenden Großstadtverkehr. Und zum Glück gibt es in dieser ziemlich hektischen Stadt auch Winkel der Ruhe und des Friedens, den Geruch von frisch gebackenem Brot und die entwaffnend ehrlichen Gespräche mit ihrer Kosmetikerin. Denn in Manhattan ist nichts unbedeutend und nichts selbstverständlich. Lily Bretts Kolumnen sind Klassiker. Denn in der tragikomischen Mischung aus Autobiografie und kleinen Alltagsvignetten schimmern die großen Themen des Lebens durch.

Über die Autorin:

Lily Brett wurde 1946 in Deutschland geboren. Ihre Eltern heirateten im Ghetto von Lodz, wurden im KZ Auschwitz getrennt und fanden einander erst nach zwölf Monaten wieder. 1948 wanderte die Familie nach Brunswick in Australien aus. Mit neunzehn Jahren begann Lily Brett für eine australische Rockmusik-Zeitschrift zu schreiben. Sie interviewte und porträtierte zahlreiche Stars wie Jimi Hendrix oder Mick Jagger.
Heute lebt die Autorin in New York. In regelmäßigen Kolumnen der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ hat Lily Brett diese Stadt porträtiert. Sie ist mit dem Maler David Rankin verheiratet und hat drei Kinder.

Buchinformationen:

 

  • Gebundene Ausgabe: 223 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: Originalausgabe (20. Oktober 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • Preis: 19,95
  • ISBN-13: 978-3518424674
  • Originaltitel: Collection of Columns