Helle Helle: Färseninsel

FärseninselIch bin ja ein großer Fan von Helle Helle. Sie schreibt zwar sehr reduziert und nüchtern über scheinbar alltägliches, aber genau darin liegt ihre Kraft. Ihr Stil ist auf keinen Fall banal zu nennen. Eher minimal ;-). Keine stilistschen Experimente, keine dramaturgischen Wendungen auf höchsten Niveau, das darf man von Helle Helles Schreibkunst nicht erwarten. Ihre Kunst besteht aus nüchternem Minimalismus und das muss man auch erst mal schreiben können ;-).

Dementsprechend beginnt ihr neues Buch „Färseninsel“ mit einem minimalistisch kurzen Satz:

„Ich suche einen guten Ort, um zu weinen.“

Bente heißt die Unbekannte, die eines Tages an einer Bushaltestelle in einem Küstenort auf einer Bank sitzt und weint. Ein Paar kommt vorbei, John und Putte, die Bente mitnehmen zu sich nach Hause, denn es steht ein Orkan bevor und der nächste Bus fährt erst am nächsten Tag.Die beiden kümmern sich liebevoll um Bente, fragen nicht nach deren Vergangenheit und warum sie weinend auf der Bank sitzt. Und genau das könnte den ungeduldigen Leser stören und könnte ihn dazu bringen, entweder rasch vorzublättern und den Grund in Erfahrung zu bringen oder ganz das Buch zur Seite legen. Wie gesagt bei Helle Helle benötigt man etwas Durchhaltevermögen, das sich in diesem Fall durchaus lohnen kann. Aber man muss sowas mögen. Für Leser, die offen für Neues sind, könnte das Buch ein Gewinn sein. Für ungeduldige Mainstream-Leser ist das Buch absolut nicht das richtige. Wie gesagt, muss man mögen. Wenn ihr neugierig seid, probiert es einfach mal aus 😉 …

Mir hat die Geschichte gut gefallen. Wie gesagt, wer dänische Literatur schätzt oder Helle Helle gerne liest, kommt an diesem Buch nicht vorbei, auch wenn es dann und wann etwas zäh dahinplätschert, es ist halt Helle Helle 😉 …

Gefallen hat mir auch das Cover, passt zur Nüchternheit der Geschichte. 😉

Das schreibt der Dörlemann Verlag:

Auf der Suche nach einem guten Ort zum Weinen steigt eine Frau in den nächstbesten Bus und landet an einer Haltestelle in einem Nest an der Küste Seelands. Als ein Orkan aufzieht, bietet ihr ein junges Paar Unterschlupf. John und Putte kümmern sich liebevoll um sie, ohne Fragen zu stellen, und schnell wird die Unbekannte, die sich Bente nennt, in den Familien- und Freundeskreis aufgenommen. Mit Wärme und Humor erzählt Helle Helle von Lebenskrisen und dem ungewöhnlichen Zusammenleben von Bente, John und Putte und von der Schwierigkeit, die Vergangenheit hinter sich zu lassen …

 

Über die Autorin:

HELLE HELLE, geboren 1965, ist eine der bekanntesten Autorinnen Dänemakrs. Sie debütierte 1993 mit Eksempel på liv. Es folgten u. a. die Romane Die Vorstellung von einem unkomplizierten Leben mit einem Mann (2002, dt. 2012), Rødby Puttgarden (2005; dt: 2010), Dette burde skrives i nutid (2011) und zuletzt Hvis det er (2014). Für ihre literarischen Werke wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Ihre Bücher wurden bislang in 14 Sprachen übersetzt. Helle Helle lebt mit ihrer Familie in Lynge bei Sorø.

 

Buchinformationen:

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Dörlemann; Auflage: 1 (18. Februar 2015)
  • Preis: 19,90 Euro
  • ISBN-13: 978-3038200147