„Ich bleibe der Reihe treu“, habe ich am Ende meiner Rezension zum vierten Band geschrieben, verbunden mit der Hoffnung, dass „Black Witch“ wieder zu dem zurückfindet, was mich anfangs so begeistert hatte. Nun habe ich „Offenbarung“ auf Seite 768 abgebrochen. Nach so vielen gemeinsam verbrachten Lesestunden fällt mir das schwer, aber die Hoffnung auf ein mitreißendes Finale hat mich irgendwann allein nicht mehr weitergetragen.
Die ersten beiden Bände fand ich famos, und auch Band drei konnte mich mit leichten Abstrichen noch überzeugen. Laurie Forest hat eine faszinierende Welt erschaffen, deren Magie, Geschichte und unterschiedliche Völker ich ausgesprochen gern entdeckt habe. Schon im vierten Band rückte die eigentliche Handlung für meinen Geschmack allerdings zu weit hinter die zahlreichen Liebesgeschichten zurück. Was ich damals bedauert habe, wurde im fünften Band für mich endgültig zum Problem.
Während Aerda vor der Vernichtung steht, nehmen körperliche Anziehung, intime Begegnungen und die unterschiedlichsten Verbindungen zwischen den Figuren so viel Raum ein, dass die Bedrohung zunehmend ihre Wirkung verliert. Ich lese gern Liebesgeschichten, gerade auch innerhalb einer großen Fantasyhandlung. Hier konnte ich irgendwann jedoch kaum noch nachvollziehen, weshalb das Begehren so vieler Figuren immer wieder ausführlich geschildert werden musste, während ihre Welt unterzugehen droht. Die Gewichtung passte für mich einfach nicht mehr.
Dazu kommen die vielen Perspektivwechsel, ausführlichen Gespräche und wiederkehrenden Erklärungen. Ich wollte mitfiebern, entdecken und überrascht werden, hatte aber zunehmend das Gefühl, auf der Stelle zu treten. Selbst Vogel, der als Gegenspieler eigentlich Angst und Spannung erzeugen sollte, ließ mich irgendwann erstaunlich unberührt. Nach mehr als sechshundert Seiten merkte ich, dass ich kaum noch neugierig darauf war, wie dieser Konflikt ausgehen würde.
Besonders traurig finde ich, wie vollständig mir der Zugang zu Elloren verloren gegangen ist. Ihre ersten Schritte in dieser Welt, ihre Unsicherheit und das allmähliche Hinterfragen dessen, was sie für wahr gehalten hatte, habe ich gern begleitet. Schon in meiner Rezension zu Band vier schrieb ich jedoch, dass ihre Entwicklung für mich an Klarheit verloren hatte. Auch ihre Gefühle zwischen Yvan und Lukas konnte ich immer weniger nachvollziehen. Im Finale fand ich emotional nicht mehr zu ihr zurück.
Schwergetan habe ich mich außerdem erneut mit der nachdrücklichen Vermittlung gesellschaftlicher und politischer Überzeugungen. Die Auseinandersetzung mit Vorurteilen, Ausgrenzung und Spaltung gehört seit Beginn zur Reihe und war bereits Teil jener Bände, die mich begeistert haben. Im fünften Band wurden die damit verbundenen Botschaften für meinen Geschmack jedoch so häufig ausgesprochen und ausführlich erläutert, dass ich mich zunehmend belehrt fühlte.
Ich hätte mir gewünscht, diese Themen stärker durch die Handlung und die Entscheidungen der Figuren zu erleben und dabei selbst Zusammenhänge entdecken zu können. Gerade die Frage, wie trotz unterschiedlicher Herkunft und Überzeugungen Gemeinschaft entstehen kann, bietet viel erzählerisches Potenzial. Durch die wiederkehrenden Erklärungen rückte für mich jedoch die Geschichte selbst zu oft in den Hintergrund, und das Eintauchen in diese faszinierende Welt fiel mir zunehmend schwer.
Ich möchte in einer Fantasywelt versinken dürfen, ohne ständig das Gefühl zu haben, aktuelle Debatten in anderem Gewand wiederzufinden. Die ersten Bände haben mir dieses Eintauchen ermöglicht. Im letzten wurde das Lesen für mich zunehmend anstrengend, und irgendwann wollte ich das Buch nur noch zuklappen.
Dass andere Leser diesen Abschluss lieben und sich von seiner Botschaft angesprochen fühlen, respektiere ich. Auch meine schönen Erinnerungen an den Anfang der Reihe bleiben bestehen. Das Ende selbst kann ich nach meinem Abbruch nicht beurteilen, die 768 gelesenen Seiten aber sehr wohl.
Aus meiner Hoffnung nach Band vier ist leider die Gewissheit geworden, dass diese Reihe und ich nicht mehr zusammenfinden. Ich hatte auf eine Offenbarung gehofft, doch leider ist dieser Abschluss für mich die größte Buchenttäuschung des Jahres.
