Die Spionin

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Paulo Coelho hat einen fiktiven, autobiographischen Roman über „Die Spionin“ – Mata Hari – geschrieben.

Die junge Margarete Zelle träumt von einem aufregenden Leben und sehnt sich nach Unabhängigkeit. Sie löst sich aus einer unglücklichen Ehe, zahlt dafür aber auch einen hohen Preis.

Das Buch beginnt mit dem bevorstehenden Ende (der geplanten Hinrichtung) von Mata Hari. Sie sitzt einsam und verlassen im Gefängnis und wartet und hofft, dass ihrem Gnadengesuch mittels ihrer einflußreichen Freunde doch noch stattgegeben wird.

Paulo Coelho schreibt über die Femme fatale schlechthin in Briefform. Mata Hari erklärt ihre Gründe, wie sie zur „Spionin“ wurde und auch ihr Verteidiger kommt zu Wort. Es ist also eine Art Rückschau.

Man fragt sich beim Lesen, ob Mata Hari wirklich so eine knallharte, selbstbewusste und gnadenlose Persönlichkeit war oder ob sie lediglich Opfer von Intrigen und Verrat ihrer einflußreichen Freunde war – eine Art Spielball. Und: Waren ihre Liebschaften mit all den bekannten und weniger bekannten Männern, die recht lieblos und eher auf körperlicher Ebene abliefen – wirklich nötig, damit sie sich frei fühlen konnte oder waren es nur neue „Gefängnisse“ der Abhängigkeit, die sie sich damit erschaffen hat?

„Denn das habe ich immer gesucht: die Freiheit. Ich habe nicht die Liebe gesucht. Denn die Liebe kommt und geht – und ich habe ihretwegen Dinge getan, die ich nicht hätte tun sollen, und mich an Orte begeben, die ich besser gemieden hätte.“ (Seite 99)

Fazit: Paulo Coelho hat mit seinem Buch über Mata Hari eine der faszinierendsten und geheimnisvollsten Frauen in unserer Geschichte betrachtet und hat es geschafft, dass dieser Mythos weiterleben darf! Sehr tief gehend geschrieben, das Buch hat mich sehr nachdenklich gemacht! Eine absolut faszinierende Lektüre!

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Lebensgeister

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In Banana Yoshimotos neuem Buch „Lebensgeister“ überlebt die Protagonistin Sayoko, eine dreißigjährige Kunstkuratorin,  nur knapp einen schweren Unfall, beim dem ihr Verlobter Yoichi  stirbt.

Sayoko und ihr Freund Yôichi sind nach dem Ausflug in ein heißes Quellenbad auf der Heimfahrt, als ein Auto von der Gegenfahrbahn abkommt und auf sie zurast. Yôichi kommt ums Leben, Sayoko wird schwer verletzt.

Seit diesem Unfall ist sie nicht mehr sie selbst. Zwar kann sie ihre Trauer lindern, indem sie sich um Yôichis Kunstwerke in seinem Atelier in Kyoto kümmert. Doch sie lebt seitdem in einer merkwürdigen Zwischenwelt. Abends geht sie in eine Bar, um zu trinken. Barkeeper Shingaki, der sich zu ihr hingezogen fühlt, passt auf sie auf.

Und plötzlich bemerkt sie, dass sie sehen kann, was andere nicht sehen: die Geister von Verstorbenen. Sie macht die Bekanntschaft von Ataru, der ebenfalls mit seiner Trauer beschäftigt ist. Und in der wunderschönen Tempelstadt Kyoto lernt sie allmählich, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist: voller Ungewissheiten und Rätsel, dem Tod immer nahe, egal, ob man jung ist oder alt.

Es ist ein ruhige Geschichte, die Banana Yoshimoto da gezaubert hat, eine Ruhe, in der Sayoko nach dem Unfall eintaucht.

„Dass Leben und Tod im selben Raum beieinander wohnen, dass nur ein Haar sie voneinander trennt – daran hatte ich nie gedacht, damals.“ (Seite 18)

Die philosophisch anmutende und sehr leise Erzählung spiegelt auf zarte und sehr einfühlende Weise die Trauer Sayokos wieder. Und so wächst Sayoko während der Geschichte an ihrer Trauer und wagt einen Neuanfang  …

„Es gibt viele Menschen, die sich nach einer radikalen Änderung sehnen, aber nur wenige, die ihr wahres Wesen begreifen. Bei mir war es auch so.“ (Seite 86)

Fazit: Ein stilles, leises, zartes und sehr philosophisches Buch über das Gehen, um Verluste, um einschneidende Lebensereignisse. Sehr ruhig und unspektakulär doch dadurch nicht minder fesselnd geschrieben. Ein großartiges, schlichtes und sehr einfühlsames Novemberbuch!

 

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Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

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Benedict Wells hat mit seinem neuen Buch „Vom Ende der Einsamkeit“ ein sehr berührendes Buch geschrieben.

Wie gewohnt beim Diogenes Verlag ziert ein bekanntes Bild das Cover. Hier: „Jeanne Moreau and Francois Triffaut – The Bride Wore Black“ von Elizabeth Peyton. Alleine das ist schon Zeichen eines traurigen Buches, welche Braut trägt denn gerne schwarz?

Und so beginnt das Buch auch mit dem Erwachen des 41 Jahre alten Protagonisten Jules aus dem Koma nach einem Motorradunfall. Subtil zwischen den Zeilen liest sich eine mögliche Suizidabsicht.

Der Leser geht mit ihm in gedanklichen Rückblenden zunächst zu seiner unbeschwerten Kindheit mit seinen älteren Geschwistern Liz und Marty zurück. Diese endet jedoch sehr abrupt mit einem tödlichen Autounfall der Eltern.

Der erste Satz:

„Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich.“

Die Kinder kommen in ein Internat und entfremden sich zusehends. Jules wird dort zum einsamen Außenseiter, der in einem Mädchen namens Alva seine beste Freundin fürs Leben findet. Jules, der vor dem schrecklichen Unfall ein sehr abenteuerlustiges Kind war, wird zunehmend schweigsamer und einsamer. Er fragt sich ständig, wie sein Leben verlaufen wäre, ohne dieses schreckliche Erlebnis des Verlustes seiner Eltern.

Jules beginnt nach seinem Abitur ein Jurastudium, obwohl er viel lieber Fotograf werden möchte.  Seine Unentschlossenheit spiegelt seine haltlosen Wurzeln aus Kindheitstage. ER wirkt wie ein ankerloses Schiff, dass immer auf der Suche nach neuem Halt, neuen Wurzeln ist, sie aber nie wirklich finden kann. Seine Schwester Liz schwebt immer am Abgrund, ihr Leben wird bestimmt durch Drogen, Alkohol und wechselnde Liebschaften.  Nur Marty gelingt es ein geregeltes Leben zu führen. Die Geschwister gehen völlig getrennte Wege, aber in Krisensituationen stehen sie füreinander ein. Benedikt Wells nimmt uns mit auf den Lebensweg der drei unterschiedlichen Geschwister, die das Trauma ihrer Kindheit nie richtig überwunden haben und läßt uns sehr intensiv teilhaben an den Nöten, Kummer und Hoffnungen der drei.  

Doch dann trifft Jules viele Jahre nach Beendigung der Schule seine Freundin Alva wieder … Und so beginnt für ihn die Reise in die Vergangenheit erneut …
Benedict Wells gelingt es meiner Meinung nach sehr gut sich in ein Kind hineinzuversetzen, dass nach dem Verlust der Eltern wieder ins Leben zurückfindet. Die im Buch bestimmenden Themen sind Trauer, Glück und Einsamkeit, was sehr zum Nachdenken anregt.  Es ist ein sehr melancholisches Buch voller intensiver Emotionen, die sehr zu Herzen gehen. Ein Buch, dass zu Tränen rührt, und doch so intensiv, klug und zauberhaft ist, dass man es dennoch gerne liest. Eine absolute Lese-Empfehlung von mir!

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Der Trick

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Vorhang auf für den „Großen Zabbatini“, der einst 1939 in Berlin als Bühnenzauberer und Mentalist großerartige Erfolge feierte und heute als mürrischer alter Mann in Los Angeles lebt und den Glauben an die Magie vollends verloren hat. Emanuel Bergmann fantastisches Debüt „Der Trick“ hat mich mehr als begeistert und gefangen genommen in der Welt der Magie und der Zaubertricks und auch der Schicksale einzelner Menschen, die sich am Ende furios und teilweise auch überraschend zusammenfügen.

Der Rabiner Laibl Goldenhirsch lebt mit seiner Frau Rifka in Prag. Dann muss er in den Krieg ziehen und kommt als anderer Mensch zurück. Überraschenderweise ist seine Frau schwanger … So wird Laibl Vater eines auf wundersame Weise entstandenen Sohnes namens Mosche (Moses) Goldenhirsch. Beide kommen nicht immer so gut miteinander aus und als ihre geliebte Rifka stirbt, läuft Mosche von zu Hause weg, weil sein Vater begonnen hat zu trinken und ihn zu schlagen. Er schließt sich einem Zauber-Zirkus an und lernt dort vom berühmten Halbmondmann die Kunst der Magie und des Mentalisierens. Auch verliebt er sich in dessen Freundin Julia. Nachdem der Zirkus während einer Vorstellung völlig niederbrennt, fliehen die beiden Verliebten nach Berlin und Moshe wird zum „Großen Zabbatini“. Doch dann holt ihn die Vergangenheit in Form des Halbmondmannes ein von dem er dachte, dass er tot sei … Dieser liefert ihn an die Nazis aus ….

Parallel begleiten wir den zehnjährigen Max Cohn, dessen Eltern sich scheiden lassen möchten. Wie jedes Kind, glaubt auch Max, dass er schuld daran sei. Doch dann findet er unter den Sachen seines Vaters eine alte Schallplatte mit Aufnahmen des „Großen Zabbatini“ und ist begeistert, denn dieser kann auch einen Liebeszauber heraufbeschwören. So macht sich Max auf die Suche nach dem großen Zauberer und findet ihn auch … Doch mehr möchte ich hier nicht verraten, denn das Buch ist soooo gut und ich möchte es euch herzlichst empfehlen, selbst zu lesen.

Fazit: LEST DIESES furiose, komische, traurige, hochemotionale, sehr tiefsinnige und einnehmende Buch auf jeden Fall!

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Doris Dörrie: Diebe und Vampire

Diebe und Vampire

 

Doris Dörrie hat mit „Diebe und Vampire“ einen lesenswerten Roman geschrieben. Alice – die Protagonistin und Ich-Erzählerin der Geschichte – möchte nichts lieber als Schriftstellerin werden. Sie schreibt in ihrem ganzen Leben allerdings nur einige Kurzgeschichten und einen Bestseller über die Technik des Schreibens. Das Buch mit der Geschichte über Alice ist in drei Episoden eingeteilt.

 

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Donna Leon: Tod zwischen den Zeilen

978-3-257-06929-7Es ist mittlerweile Commissario Brunettis 23. Fall, den uns Donna Leon mit „Tod zwischen den Zeilen“ hier präsentiert. Es ist ein sehr langsames, leises und dennoch für mich sehr schön zu lesendes, entspannendes Buch, denn schlimme Dinge lesen und sehen wir jeden Tag in den Nachrichten, da möchte ich beim Lesen nicht auch immer mit den schlimmen Themen konfrontiert werden wie Missbrauch von Kindern, kranken Mördern, Massenmördern oder Menschen die ihre Gier leben und dabei über Leichen gehen gibt es ja leider in der Realität genug – man beschaue sich nur einmal das politische Kasperl- oder Fußballtheater weltweit etc..

Und so plätschert Commissario Brunettis 23. Fall wohlbekömmlich dahin, es geht um alte Bücher, eine Bibliothek, reiche Venezianer, natürlich wieder leckeres Essen, Brunettis Familie und schließlich doch noch einen Toten … Wie immer solide und garantierte Unterhaltung der Großmeisterin des seichten, gut verdaulichen Krimis – für mich eine schöne und entspannende Urlaubslektüre, bei der man auch abends noch gut schlafen kann …

Fazit: Must-have für Donna Leon – und Commissario-Brunetti-Fans, Italienfans, entspannte Urlaubslektürenleser …

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Gelesen: Die Geschichte von Blue

978-3-257-30029-1Der Debütroman „Die Geschichte von Blue“ der jungen Solomonica de Winter, ihres Zeichens Tochter von Leon de Winter und Jessica Durlacher, ist gewaltig – sprachlich und auch von der Geschichte her. Die Autorin hat das Buch mit zarten 16 Jahren geschrieben – Begleiter scheinen die Dämonen der Pubertät gewesen sein. Aber wenn sich diese Phase so auswirkt ist das ja nur positiv ;-).

Hintergrund der Geschichte (die im ersten Teil aus Sicht von Blue, im zweiten Teil aus Sicht des Psychiaters und im dritten Teil als realistische Schilderung ihres derzeitigen Alltags in der Psychiatrie erzählt wird) ist die fünfzehnjährig Blue, die alleine mit ihrer Mutter Daisy ist. Ihr heißgeliebter Vater ist gestorben, die Mutter – drogensüchtig – kümmert sich kaum um ihre Tochter und liebevoll ist sie ganz gewiss nicht. Stammleser haben sicher schon gemerkt, dass „liebevoll“ eines meiner Lieblingswörter ist, kein Wunder, es gibt nichts Schöneres als voller Liebe zu sein.

Aber nun weiter mit der Geschichte, die mich wirklich im zweiten und dritten Teil verblüfft hat. Die ersten zwei Drittel der Geschichte wird eben von Blue erzählt, wie sie ihre Welt erlebt. Poetisch mutet an, dass sie einen ständigen Begleiter hat, der ihr Sicherheit gibt, ein Buch ihres Vaters – „Der Zauberer von Oz“. Ich fand es unglaublich wie poetisch und zart die Autorin die manchmal doch brutale Geschichte zeichnet und mit welchen immensen und intensiven Sprachbildern sie arbeitet – Frl. de Winter scheint eine weise alte Seele zu sein ;-).

Es ist eine düstere, teils brutale Geschichte, die sich jedoch gut lesen lässt und die noch eine Weile nachhallen wird. Schwierig ist auch, die Geschichte, die sehr auch von Überraschungen lebt,  hier nach zu erzählen, ohne zu viel zu verraten. Es ist eine kurzweilige Geschichte, die unterhält und die mich zum Schluss auch noch verblüfft hat. Kommt nicht alle Tage vor bei jemanden, der täglich viel liest. Jedenfalls musste ich nach dem Schluss auch den Anfang der Geschichte nochmals Revue passieren lassen, und schon war der erste Eindruck dahin, was aber nicht negativ ist, ich mag überraschende Wendungen. Unsere Realität ist ja nichts anderes als eine Aneinanderreihung verschiedener Wahrnehmungen. Jeder Mensch nimmt diese anders wahr. Deshalb lasse ich wohl alles hier geschriebene besser einfach einmal so stehen und übergebe an euch, werte Leser meines Weblogs.

Fazit: Für Gern- und Vielleser einfach ein Muss um mitreden zu können. Für Leser, die gerne mal was anderes lesen möchten und die den Zauberer von Oz gerne gelesen haben – unbedingt lesen. Für alle anderen: Lesen! 😉

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