Trauer mal anders: An jedem neuen Morgen

an jedem neuen morgenAls Amy Solomon Rosenblatt stirbt, ist sie gerade einmal 38 Jahre alt. Die Mutter dreier Kinder stirbt zuhause und wird von ihren Kindern gefunden, ihr Mann – Mediziner, kann sie nicht mehr ins Leben zurückholen. Was dann beginnt, ist Familienzusammenhalt pur: Die Großeltern – Amys Eltern – ziehen zu ihrem Schwiegersohn, um ihm bei der Versorgung der drei Kinder zu helfen. Ich stelle es mir als eine der schlimmsten Erfahrungen für Eltern vor, das eigene Kind zu verlieren. Roger Rosenblatt schreibt in „An jedem neuen Morgen“ darüber und schildert – ziemlich nüchtern – wie ich finde – den Familienalltag nach dem Tod der wichtigsten Person – der Mama. James – das jüngste Kind ist beim Tod der Mutter gerade einmal 20 Monate alt, er hat auch seine Mama gefunden, die beim Fitness-Training kollabierte und nicht mehr zu retten war. Die Großeltern versuchen, ihre Tochter so gut es „ersetzen“, aber wie soll man das schaffen, wenn dieser jemand doch eigentlich unersetzlich war?

Roger Rosenblatt schreibt über seine Wut und auch wie sein Schwiegersohn, ein eher nüchterner, stiller Mensch mit der Trauer umgeht. Das Buch entstand aus einer Reihe von Essays und Geschichten, die vorher in Zeitungen und Zeitschriften von Roger Rosenblatt erschienen sind. Dann und wann hat man den Eindruck, dass es eben eine lose Ansammlung von Geschichten und Anekdoten ist. Klar hätte man einiges besser machen können, aber das Buch ist nun mal eben so geworden. Unglaubwürdig fand ich diese gespielte Harmonie nach so einem Schicksalsschlag, vielleicht liegt das auch an der Übersetzung oder einfach daran, dass man das in Amerika vielleicht einfach so macht. Always think positive … I don´t know! Etwas gefehlt hat mir einfach die persönliche Note des Autors und von seiner Familie, die Nennung der zahlreichen – auch prominenten – Trauergäste hinterließ bei mir nur einen faden Beigeschmack – wen interessiert das schon … Ich hatte den Eindruck, dass sich der Autor hier etwas profilieren wollte, er hat auch stets betont, was seine Kinder von Beruf sind, was sie studiert haben, natürlich sind alle Juristen, Ärzte etc. geworden.

Es ist ein kurzweiliges, trauriges Buch, mit zarten Untertonen, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Ich habe mir vorgenommen, intensiver in der Gegenwart zu leben, jeden Augenblick mit meiner Familie zu genießen, mehr im Jetzt zu sein! Es ist ein Buch, dass man lesen kann, aber nicht muss! Mir ist wegen des tollen, gemütlichen und heimeligen Covers ins Auge gestochen und auch, weil ich dünne Bücher sehr schätze ;-)!

Fazit: „Wir müssen die verbleibende Zeit zu schätzen wissen“! Also weg vom Computer raus in die Natur oder einem besonderen Menschen seine volle Aufmerksamkeit schenken – wir haben verlernt, mit anderen mitzufühlen, in Kontakt zu sein wie Amy es jeden neuen Tag getan hat – wir haben verlernt selbstlos zu sein, einem Menschen, der unsere Hilfe braucht, unsere vollste Aufmerksamkeit zu schenken und ihm zuzuhören, ohne in der Unterhaltung sein Leid mit einer Geschichte aus unserem Leben zu übertrumpfen! Wir brauchen wieder mehr ein Miteinander, nicht erst, wenn uns Schicksalsschläge treffen, sondern täglich auch im Alltag!

 

Das schreibt der Verlag:

Sammy mag morgens Vollmilch mit FrootLoops, Jessie ein Glas Sojamilch, Bobbies, der Jüngste, liebt Toast über alles. Roger Rosenblatt und seine Frau übernehmen den Haushalt ihrer Tochter Amy, als sie völlig unerwartet stirbt und ihren Mann sowie drei kleine Kinder hinterlässt. Die Großeltern versuchen, das Unfassbare für die Familie erträglich zu machen. Entscheidend dabei ist das Funktionieren des Alltags, sind die kleinen Pflichten, die Halt und dem Leben einen Sinn geben. Der innigste Moment des Tages ist das gemeinsame Frühstück, das der Großvater zubereitet, berühmt für seinen wunderbaren Toast. Als säßen wir mit ihm und seinen Enkeln am Tisch, begleiten uns Roger Rosenblatts kluge Beobachtungen und die von Liebe, Hingabe und Demut getragenen Gedanken. Ein schmerzhaft schönes Buch über das Glück, eine Familie zu haben.

 

Über den Autor:

Roger Rosenblatt schreibt für das Time Magazine, und ist außerdem Autor von Theaterstücken, Sachbüchern und Romanen. Er wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet, u. a. dem National Book Critics Circle Award. Seit 2008 ist er Professor für Englische Literatur an der Stony Brook University, New York.

 

 

Buchinformationen:

 

  • Gebundene Ausgabe: 200 Seiten
  • Verlag: Ullstein Hardcover; Auflage: Ullstein Hardcover (11. März 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • Preis: 16,99 Euro
  • ISBN-13: 978-3550088476
  • Originaltitel: Making Toast
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