Warum französische Kinder keine Nervensägen sind

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Ich muss zugeben, ich war doch sehr neugierig auf das Buch „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“ von Pamela Druckerman. Impliziert der Titel doch, dass alle anderen Kinder weltweit gesehen, Nervensägen sind. Der Titel verrät es uns auch gleich, dass die Autorin Kinder grundsätzlich als Nervensägen sieht. Ihrer Meinung nach nerven französische Kinder nicht (so ihre Beobachtungen, ich frage mich jedoch, ob sie auch die Kinder in anderen Ländern beobachtet hat, um diese Aussage auch machen zu können … kann ja sein, dass die Kinder in Japan oder Dänemark auch nicht nerven ;-)) … Sie lobt also die französischen Erziehungsmethoden in den höchsten Tönen … In Frankreich werden Babys wohl als unvollkommene Wesen mit erheblichen Defiziten angesehen, die beseitigt werden müssen, damit die werte Maman nicht abhängig von den Bedürfnissen und Ansprüchen ihres Kindes endlich wieder auf ihre Bedürfnisse schauen kann. Wie krank ist das denn bitte? Am besten kommen die Babys schon perfekt auf die Welt, stillen und wickeln sich selbst … Wie wäre es stattdessen mit einer Puppe, werte Madames?

Das Buch ist teilweise witzig geschrieben, aber ich habe es zum Glück nicht ernstgenommen. Warum solch ein Buch ein Spiegelbestseller ist, spricht nicht gerade für unsere Leserschaft. Ich empfand das Buch als sehr einseitig (nur die Bedürfnisse der Mütter sind wichtig – hallo???) und unkritisch geschrieben.

Ganz klar fehlen einfach auch die negativen Auswirkungen dieses Erziehungsstils, wenn man ihn überhaupt so bezeichnen mag … Es klingt eher sehr automatisiert, wie Kinder in Frankreich von den Müttern so schnell wie möglich entwöhnt werden, damit diese wieder arbeiten gehen können. Warum dann überhaupt noch Kinder in die Welt setzen? … Wenn das alles so ist, dann möchte ich nie in Frankreich geboren werden … Mon dieu!

Fazit: Völlig unreflektiertes Buch über Erziehung … eigentlich ist es die Biographie von Frau Druckerman, die mich – sorry – leider nicht interessiert … Und Kinder als Nervensägen zu bezeichnen, finde ich schon mal gar nicht gut. Genervt hat mich lediglich die Autorin … Für mich definitiv kein Bestseller, sorry! Schade um die Bäume!

Das schreibt der Goldmann Verlag:

Warum werfen französische Kinder im Restaurant nicht mit Essen, sagen immer höflich Bonjour und lassen ihre Mütter in Ruhe telefonieren? Und warum schlafen französische Babys schon mit zwei oder drei Monaten durch? Als Pamela Druckerman der Liebe wegen nach Paris zieht und bald darauf ein Kind bekommt, entdeckt sie schnell, dass französische Eltern offensichtlich einiges anders machen – und zwar besser. In diesem unterhaltsamen Erfahrungsbericht lüftet sie die Geheimnisse der Erziehung à la française.

Über die Autorin:

Pamela Druckerman studierte Internationale Beziehungen an der Columbia University und arbeitet mittlerweile als freiberufliche Journalistin. Davor war sie Redakteurin bei The Wall Street Journal und schrieb für The New York Times, The Washington Post und Marie Claire. Sie lebt mit ihrem englischen Ehemann und ihren drei Kindern in Paris.

Buchinformationen:

  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (19. Oktober 2015)
  • Preis: 9,99 Euro
  • ISBN-13: 978-3442175789
  • Originaltitel: Bringing Up Bébé / French Children Don’t Throw Food