Bernsteinstaub

Nachdem ich schon zwei grandiose Bücher von Mechthild Gläser verschlungen habe, musste natürlich auch ihr neues Buch „Bernsteinstaub“ bei  mir einziehen. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn Mechthild überzeugte mich wie gewohnt mit einer grandiosen Schreibe, einer etwas anderen Zeit(reise)geschichte und wunderbar ausgearbeiteten Charakteren und Settings.

Hauptfigur ist Ophelia Pendulette, die mit ihrer Mutter, ihrem kleinen Bruder und ihrem Stiefvater in Berlin lebt. Ihre Schwester Grete lebt in Paris. Sie hat im Alltag merkwürdige Begegnungen mit Staub und Spinnenweben und versucht sich das immer alles irgendwie logisch zu erklären. Als sie nach einem Unfall jedoch von ihrer Mutter mit ihrer „Gabe“ konfrontiert und von ihrer merkwürdigen Tante Blanche und ihrem Onkel Jacques abgeholt wird und nach Paris zu den beiden zieht, erfährt sie nach und nach, zu was sie fähig ist: Sie ist eine Zeitlose und kann die Zeit anhalten und Zeitströme verändern (ähnlich einer Musikkassette kann Ophelia die Zeit vorspulen ;-)) … Eine praktische Gabe, „wenn mir mal wieder keine schlagfertige Erwiderung auf einen von Gretes Kommentaren einfallen sollte und ich noch einen Moment zum Nachdenken bräuchte.“ (Gelesen auf den Seiten 63/64).

Mir hat sehr gut gefallen, dass ich als Leserin gemeinsam mit Ophelia ihre Gabe nach und nach entdecke und diversen Geheimnissen auf die Spur komme. Das Buch ist so geschrieben, dass man als Leser das Gefühl hat, Ophelia über die Schulter zu blicken und mit ihr gemeinsam durchs Buch schlendert …

Erster Satz:

„Die meisten Leute wären wegen eines bisschen Staubes sicher nicht gleich durchgedreht.“ (Gelesen auf Seite 12)

Ophelia fällt es nicht leicht, mit ihrer Gabe umzugehen und als sie von ihrer Mutter zu ihrer Tante Blanche und ihrem Onkel Jacques nach Paris geschickt wird (die Reise der Zeitlosen nach Paris und wie die beiden Verwandten Ophelia abholen ist auch lesenswert). Im „Hotel de la Pendulette“, das ihrer Tante und ihrem Onkel gehört, bekommt Ophelia eines der vielen Zimmer zugeteilt …

„Lass dich nicht von Uhren aus dem Konzept bringen. Sie sind dazu da, die Zeit zu messen, aber sie zeigen sie nicht wirklich an, verstehst du?“ und „Die ersten drei Jahre, nachdem unsere Gabe erwacht ist, sind die machtvollsten, Ophelia. Danach entscheidet die verbleibende Lebenszeit über unsere Stärke.“ (Tante Blanche zu Ophelia auf Seite 70 und 71))

Dort lernt sie auch ihre Urgroßmutter Pippa, eine sehr junge Dame und den merkwürdigen Leander mit seiner Ratte kennen. Unterrichtet wird Ophelia von ihrem Onkel und als eines Tages ein Brief im Hotel ankommt, müssen alle überraschend über den Fluss der Zeit – les temps …

„Da war er also, der ultimative Strom aus Staub: les temps. Groß und weit und tief. Wellen aus silbrigen Körnchen. Schimmernde Stromschnellen. Wirbelnde Spinnweben.“ (Gelesen auf Seite 72)

in den geheimnisvollen Bernsteinpalast reisen …

„Es war ein Gebäude, groß wie ein Wolkenkratzer, ausladend wie ein Herrenhaus, bewachsen mit Türmchen und Erkern wie ein Märchenschloss, durchzogen von Säulen und Arkadengängen wie ein antiker Tempel und umgeben von wattigen Staubwolken, als wäre dies der Himmel und kein Ort tief unter den Fundamenten Roms.“ (Der erste Blick Ophelias auf den Bernsteinpalast, dem „Rocher de bronze“, gelesen auf Seite 80)

Und als Ophelia dann  noch dem Geheimnis um den Tod ihres Vaters auf die Spur kommt und sich auch eine zarte, feine Liebesgeschichte anbahnt, war ich dem Buch restlos verfallen!

Fazit: Ein echter Gläser: spannend, überwältigend, fantastisch,  originell (mit vielen frischen Ideen …), grandios – unbedingt lesen!

Inhalt:

Warum kommt es uns manchmal so vor, als ob die Zeit unterschiedlich schnell vergeht?
Ophelia hat sich darüber nie wirklich Gedanken gemacht, bis sie eines Tages beginnt, die Zeit zu sehen. Denn Ophelia ist eine Zeitlose und besitzt die seltene Gabe, die Zeitströme zu beeinflussen. Doch kaum hat sie von diesen Fähigkeiten erfahren, spielt die Zeit plötzlich überall auf der Welt verrückt. Gemeinsam mit dem mysteriösen Leander muss Ophelia die Ursache für das Zeitchaos finden. Dabei kommen sie einem Geheimnis auf die Spur, das die gesamte Welt der Zeitlosen auf den Kopf stellen wird.

Über die Autorin:

Mechthild Gläser wurde im Sommer 1986 in Essen geboren. Auch heute lebt und arbeitet sie im Ruhrgebiet, wo sie sich neben dem Schreiben ihrem Medizinstudium widmet und außerdem ab und an unfassbar schlecht Ballett tanzt – aber nur, wenn niemand hinsieht. Sie liebt es, sich fantasievolle Geschichten auszudenken, und hat früh damit begonnen, sie zu Papier zu bringen. Inspiration dafür findet sie überall, am besten jedoch bei einer Tasse Pfefferminztee. Hier geht es zur Webseite von Mechthild Gläser: www.mechthild-glaeser.de

Buchinformationen:

  • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
  • Verlag: Loewe Verlag, erschienen am 24. Juli 2018
  • Preis: 19,95 Euro
  • ISBN-13: 978-3785588604
  • Vom Verlag empfohlenes Lese-Alter: ab 12 Jahren